Beweist das Fehlen von Bildartefakten, dass ein Bild echt ist?
Nein. Das Fehlen von Pixel-Fehlern beweist nichts. Moderne Generatoren erzeugen artefaktfreie Bilder. Die früheren Hinweise (sechs Finger, verschwommene Ohren) sind heute selten. Prüfung muss über andere Wege laufen.
Die Faustregel „Finger zählen, Hände prüfen, Ohren anschauen" stammt aus der Anfangszeit von Bild-KI. Damals hinterließen Modelle oft sichtbare Fehler. Heute sind diese Artefakte selten, und ihre Abwesenheit sagt nichts mehr über Echtheit aus.
Warum die alten Regeln nicht mehr greifen
Bessere Modelle: Sechs-Finger-Hände sind in aktuellen Topmodellen die Ausnahme. Zähne, Augen, Schmuck, alles deutlich sauberer.
Post-Processing: Selbst wenn kleine Artefakte entstehen, werden sie oft automatisch retuschiert oder durch Upscaling-Pipelines geglättet.
Komposition funktioniert: Früher waren Hintergründe unscharf, Perspektiven falsch. Heute sitzen Details meist korrekt.
Selektion: Selbst wenn neun von zehn generierten Bildern Fehler haben, wird das eine perfekte Bild gepostet. Sichtbar bleibt nur das Saubere.
Was stattdessen prüfen
Quelle: Wer hat das Bild zuerst gepostet? Gibt es einen nachvollziehbaren Kontext?
Andere Aufnahmen: Gibt es vom selben Ereignis andere Bilder oder Videos aus unabhängigen Quellen? Wenn nein, verdächtig.
Plausibilität: Passt das Bild zur bekannten Faktenlage? Oder widerspricht es ihr auffällig?
Reverse Image Search: Google, TinEye, Yandex. Gibt es Treffer oder ist das Bild komplett neu?
Meta-Kontext: Wann und warum viral geworden? Wer profitiert von der Verbreitung?
Die neue Prüfhaltung
Statt auf Artefakte zu schauen, auf Kontext und Plausibilität. Die alten Regeln funktionieren nicht mehr, neue müssen die Prüfung übernehmen.
Die wichtigste Erkenntnis
Wer heute noch „die Finger waren normal, also echt" sagt, hat den Stand der Technik nicht aktualisiert. Die Prüflogik muss sich mitentwickeln.