Edge Case
Auch bekannt als: Randfall, Grenzfall
Ein Edge Case ist eine Eingabe oder ein Zustand am Rand des Erwarteten: die leere Liste, der Name mit Umlaut, die Buchung um 23:59 am Monatsletzten. Software, die nur für den Normalfall gebaut wurde, bricht genau hier.
Der Normalfall ist einfach: Nutzer gibt sinnvolle Daten ein, die Liste hat Einträge, das Datum liegt mitten im Monat. Edge Cases sind alles andere. Und alles andere kommt im echten Betrieb garantiert vor.
Warum das beim AI-Coding doppelt zählt
Ein Coding-Agent baut standardmäßig den Happy Path: den Weg, auf dem alles gut geht. Die Ränder baut er nur, wenn sie im Prompt stehen. Deshalb glänzen KI-generierte Demos und brechen bei echten Nutzern. Nicht weil das Modell es nicht könnte, sondern weil niemand die Ränder bestellt hat.
Die typischen Familien
Leere Zustände: Liste ohne Einträge, Nutzer ohne Daten, Datei ohne Inhalt.
Grenzen: genau 0, genau 100 Prozent, der Maximalwert, ein Zeichen zu viel.
Sonderzeichen: Umlaute, Emoji, Anführungszeichen in Namen, 10.000 Zeichen im Textfeld.
Zeit: Monatswechsel, Jahreswechsel, Zeitzonen, Sommerzeit-Umstellung.
Gleichzeitigkeit: Zwei Nutzer ändern denselben Datensatz im selben Moment.
Die Faustregel
Edge Cases gehören als eigener Block in jeden Coding-Prompt, mit konkreten Beispielen statt der Floskel „behandle Sonderfälle". Aus „handle edge cases" macht der Agent nichts. Aus „a transaction at 23:59 on the last day of the month counts for THAT month" macht er korrekten Code.