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Reverse Engineering – vom Ergebnis zur Schablone
Schritt 1 von 7
Du musst es nicht beschreiben. Du musst es erkennen.
Die meisten kämpfen mit dem leeren Prompt-Feld. Dabei liegt die beste Vorlage schon vor dir: im Ergebnis, das funktioniert.
Das Problem mit dem leeren Feld
Du sitzt vor dem leeren Prompt-Feld und sollst beschreiben, was du willst. Das ist die Schwierigkeit: Du erkennst ein gutes Ergebnis sofort, wenn du es siehst. Aber die Anweisung dafür von Null zu formulieren, fällt dir schwer. Du weißt, dass dieser eine Text packt. Du könntest nur nicht sagen, nach welchen Regeln er gebaut ist.
Genau hier setzt Reverse Engineering an. Statt vorwärts zu denken (ich beschreibe, was ich will, und hoffe auf ein gutes Ergebnis), drehst du die Richtung um: Du zeigst der KI ein Ergebnis, das schon funktioniert, und lässt sie das Muster dahinter herausarbeiten.
Die Bewegung: rückwärts statt vorwärts
Das ist kein Trick für einen Einzelfall. Es ist eine Methode, die du immer wieder anwenden kannst. Ein gelungener Post, ein starkes Bild, eine saubere Tabelle, ein Prozess, der gut lief: Aus jedem davon kannst du eine wiederverwendbare Vorlage ziehen. Das ist der Unterschied zwischen einem Glückstreffer und einem Werkzeug, das du beim nächsten Mal wieder einsetzt.
💡
Wichtig vorab: Die KI gewinnt nicht den echten Original-Prompt zurück. Sie liefert eine plausible Vorlage, die etwas Ähnliches erzeugt. Der Wert liegt nicht in der forensischen Rückgewinnung, sondern in der Wiederverwendbarkeit. Das klingt nach weniger. Es ist mehr.
Was du alles reverse-engineeren kannst
Du hast …
Du gewinnst …
Einen Text, der dir gefällt
Den Prompt, der ihn erzeugt
Eigene Texte über Monate
Dein Schreibstil als Profil
Ein gelungenes KI-Bild
Eine Bild-Formel mit Variablen
Eine Aufgabe plus Ergebnis
Den Prozess als wiederholbaren Ablauf
Eine App/ein Feature, das du gut findest
Den Bauplan zum Nachbauen mit KI
Eine starke Präsentation
Die Dramaturgie als Schablone
Beispiel-Bewertungen
Eine Bewertungs-Rubrik
💡
Voraussetzung: Du solltest Prompts grundsätzlich strukturieren können. Falls nicht, mach vorher den Prompt-Baukasten. Diese Lesson baut darauf auf.
Schritt 2 von 7
Die Reverse-Schleife: vom Ergebnis zum Prompt
Ein Beispiel, das funktioniert. Vier Schritte. Eine Vorlage, die du behältst.
Stell dir vor, du findest eine Produktbeschreibung, die du stark findest. Sie verkauft, ohne aufdringlich zu sein. Du willst genau diese Qualität für deine eigenen Produkte. Nur: Du kannst nicht benennen, was sie gut macht. Also lässt du die KI es benennen.
Das Ergebnis (dein Fundstück)
Schluss mit kalten Händen am Schreibtisch. Diese Tastatur wärmt sich in 30 Sekunden auf und hält deine Finger den ganzen Winter geschmeidig. Drei Wärmestufen, leise, in jede USB-Buchse gesteckt. Tippen wie im Sommer, auch wenn draußen Schnee liegt.
Die Reverse-Schleife in vier Schritten
Zeigen: Gib der KI das gelungene Beispiel, statt es zu beschreiben.
Zerlegen: Lass sie die Regeln und Entscheidungen herausarbeiten, die es gut machen.
Verallgemeinern: Forme daraus eine Vorlage mit Platzhaltern für den nächsten Fall.
Gegenprobe: Wende die Vorlage auf ein neues Produkt an und prüfe, ob sie hält.
Der entscheidende Schritt ist die Gegenprobe. Ohne sie hast du nur eine hübsche Analyse. Mit ihr beweist du, dass die Vorlage funktioniert. Diese Bewegung von der Instanz zur Vorlage und zurück zur neuen Instanz ist es, die aus einem Trick eine Fähigkeit macht.
Meta-Prompt (Schritt 1–3)
Hier ist eine Produktbeschreibung, die ich gelungen finde:
[TEXT EINFÜGEN]
1. Zerlege sie: Welche konkreten Entscheidungen machen sie wirksam? Satzbau, Einstieg, Reihenfolge der Infos, Ton, Länge.
2. Leite daraus eine wiederverwendbare Vorlage ab. Setze alles Austauschbare als {Platzhalter}.
3. Schreib dazu, wofür diese Vorlage NICHT passt.
Gib mir die Vorlage als kopierbaren Prompt.
Die extrahierte Schablone (Output)
Schreib eine Produktbeschreibung für {Produkt}.
Start mit dem Schmerz, den es löst ({Problem}), nicht mit dem Produkt.
Dann die Lösung in einem kurzen Satz.
Dann drei konkrete Fakten ({Merkmal 1}, {Merkmal 2}, {Merkmal 3}), keine Adjektiv-Ketten.
Schließ mit einem Bild, das {Vorher-Zustand} und {Nachher-Zustand} kontrastiert.
Max. 4 Sätze. Du-Ansprache. Keine Superlative.
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Der Hebel: Frag nicht „Wie würdest du das schreiben?", sondern „Welche Regeln stecken dahinter?". Die erste Frage gibt dir einen Text. Die zweite gibt dir ein Werkzeug.
Übung: Ein kompletter Round-Trip
Aufgabe: Such dir ein Ergebnis, das du gut findest. Eine Mail, einen Post, eine Beschreibung.
Füg es in den Meta-Prompt oben ein und lass die Schablone ableiten.
Lies die extrahierten Regeln kritisch: Stimmt jede? Streich, was nicht trägt.
Wende die Schablone auf einen komplett anderen Fall an.
Vergleiche: Hat die Vorlage die Qualität übertragen, oder nur die Oberfläche kopiert?
Zeitaufwand: ~10 Minuten
Takeaway
Regel #1: Vier Schritte, immer gleich. Zeigen, Zerlegen, Verallgemeinern, Gegenprobe. Frag nach den Regeln hinter dem Ergebnis, nicht nach einer Kopie.
Schritt 3 von 7
Verallgemeinern: vom Treffer zur Formel
Ein Treffer löst einen Fall. Eine Formel löst eine ganze Klasse, weil die Denkarbeit in der Formel steckt und nicht in jedem Einzelprompt.
Beim ersten Reverse Engineering bekommst du oft einen Prompt, der genau einen Fall trifft. Der Schritt, der ihn wiederverwendbar macht, wird meist falsch verstanden. Eine Formel ist nicht ein Formular voller Platzhalter. Sie ist das Gegenteil: Die ganze Denkarbeit (Aufbau, Perspektive, Hintergrund, Stil) bleibt fest verdrahtet, und nur die eine echte Variable wechselt. Ein Prompt löst ein Problem. Eine Formel löst eine ganze Klasse.
Reverse Engineering heißt hier also nicht, möglichst viel variabel zu machen. Es heißt, die richtige Frage zu stellen: Was ist die feste Denkarbeit, und was ist die eine Sache, die ich wechseln will? Den Rest sperrst du bewusst weg.
Zwei Formel-Typen
Bei KI-Bildern siehst du das am klarsten. Je nachdem, welche Achse du festhältst, bekommst du einen von zwei Formel-Typen.
Motiv-Formel: Szene fest, Objekt wechselt
Du legst Aufbau, Perspektive und Hintergrund einmal fest und tauschst nur das Hauptobjekt. Ideal für Produktfoto-Serien, Asset-Kataloge, wiederkehrende Illustrationen.
Motiv-Formel (Template)
A photo of [HAUPTOBJEKT] [OBJEKT-DETAILS], isolated against a [HINTERGRUND-ART] background.
Eine Variable tauschen, vier Bilder in Sekunden
A photo of a vintage camera with intricate details, isolated against a pastel blue background.
A photo of a stylish watch with leather strap, isolated against a black background.
A photo of a fresh apple with a bite taken out, isolated against a bright yellow background.
A photo of a gourmet burger with melted cheese, isolated against a red background.
✅
Erkenne den Unterschied: Das ist nicht „vier Prompts schreiben". Das ist ein Prompt plus eine Variable. Über Aufbau, Perspektive und Hintergrund musst du dich nicht mehr entscheiden, das ist in der Formel geklärt.
Stil-Formel: Stil fest, Motiv wechselt
Die Umkehrung: Du fixierst den visuellen Stil als festen Suffix und wechselst das Motiv. Ideal für Blog-Illustrationen, Kampagnen-Serien, alles, wo Wiedererkennung über verschiedene Inhalte hinweg zählt.
Stil-Formel (Template)
[BELIEBIGES MOTIV], [STIL-SUFFIX]
Stil-Suffix: in the style of traditional watercolor painting with visible brushstrokes, soft color bleeds, paper texture, loose handling
Formel-Typ
Fest
Wechselt
Wofür
Motiv-Formel
Aufbau, Hintergrund, Perspektive
Das Hauptobjekt
Produktserien, Asset-Kataloge
Stil-Formel
Visueller Stil (Suffix)
Das Motiv
Blog-Bilder, Kampagnen mit Wiedererkennung
💡
Der Test (30-Sekunden-Regel): Sobald die Formel steht, entsteht jede Variante in unter 30 Sekunden. Variable tauschen, generieren, fertig. Wenn du für die zweite Variante noch über den Prompt nachdenkst, hast du keine Formel, sondern drei ähnliche Einzelprompts.
Das Prinzip gilt weit über Bilder hinaus. Eine E-Mail-Vorlage, eine Folien-Gliederung, ein Bericht-Aufbau: Überall sperrst du die Denkarbeit fest und lässt die eine echte Variable frei. Wenige, klar benannte Variablen schlagen viele. Eine starke Variable ist ein Werkzeug. Zehn Platzhalter sind wieder ein leeres Feld.
✅
Geh tiefer: Die Lesson Bild-KI im Business baut Motiv-, Stil- und Corporate-Formeln im Detail aus. Das 4K-Framework liefert das Vokabular, um die feste Denkarbeit präzise zu beschreiben.
Übung: Vom Bild zur Formel
Aufgabe: Nimm ein KI-Bild, das du gut findest, mit seiner Beschreibung.
Entscheide: Was ist hier die feste Denkarbeit (Aufbau, Licht, Stil) und was die eine Sache, die du wechseln willst?
Bau daraus eine Motiv-Formel (Szene fest) oder eine Stil-Formel (Stil fest). Genau eine Variable.
Erzeuge zwei Varianten, indem du nur diese Variable tauschst.
Mach den 30-Sekunden-Test: Ging die zweite Variante ohne Nachdenken? Wenn nicht, was steckt noch in der Variable, das in die feste Formel gehört?
Zeitaufwand: ~10 Minuten
Takeaway
Regel #2: Eine Formel sperrt die Denkarbeit fest und lässt nur die eine echte Variable frei. Wenige klare Variablen sind ein Werkzeug. Viele Platzhalter sind wieder ein leeres Feld.
Schritt 4 von 7
Das Implizite ableiten: Stil und Prozess
Manche Muster stehen nicht im Ergebnis. Sie stecken dahinter. Auch die holt die KI heraus.
Schreibstil als portables Profil
Dein Schreibstil ist stilles Wissen. Du schreibst „so wie du", ohne die Regeln zu kennen. Das Problem: Die KI klingt im Standard nach niemandem oder nach allen. Die Lösung: Du gibst ihr mehrere deiner Texte und lässt sie dein Stil-Profil destillieren. Nicht den Inhalt, die Bauweise.
Stil-Profil (aus 3–5 eigenen Texten abgeleitet)
Analysiere die folgenden Texte von mir und beschreib meinen Stil als Regelwerk:
[3–5 TEXTE EINFÜGEN]
- Durchschnittliche Satzlänge und Rhythmus
- Typische Satzanfänge und Übergänge
- Wortwahl: einfach vs. fachlich, welche Lieblingswörter
- Was ich NIE tue (Tabus, Floskeln, die fehlen)
- Ton in einem Satz
Gib das Ergebnis als kompakten System-Prompt zurück, den ich künftig voranstellen kann.
Das Profil ist ab jetzt ein Baustein, den du jedem Auftrag voranstellst. Du hast deine Stimme portabel gemacht.
Prozesse aus Aufgabe und Ergebnis
Noch einen Schritt abstrakter: Du hast eine Aufgabe gelöst und ein gutes Ergebnis erzielt, aber den Weg nie aufgeschrieben. Gib der KI beides, Ausgangslage und Resultat, und lass sie den plausiblen Ablauf rekonstruieren. Heraus kommt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die du beim nächsten Mal wiederverwendest oder an andere weitergibst.
Prozess-Ableitung
Ausgangslage / Aufgabe:
[BESCHREIBUNG]
Endergebnis, das dabei herauskam:
[ERGEBNIS / ARTEFAKT]
Leite den wahrscheinlichen Ablauf ab, der von der Aufgabe zu diesem Ergebnis führt:
- Als nummerierte Schritte
- Pro Schritt: Input, Aktion, Output
- Markiere Stellen, an denen eine Entscheidung getroffen werden musste
- Schreib dazu, welche Schritte du NICHT sicher ableiten kannst
Dramaturgie aus einem guten Vortrag
Noch ein Stück stilles Wissen: Ein Vortrag, der zog, hat eine Dramaturgie, die nicht auf den Folien steht. Wie der Einstieg packt, wann die Spannung kommt, wie der Bogen schließt. Gib der KI das Transkript oder die Gliederung und lass sie die Storyline herausarbeiten, statt nur die Folien zu beschreiben.
Storyline-Schablone (aus einem starken Vortrag)
Hier ist ein Vortrag, der stark funktioniert hat:
[TRANSKRIPT, GLIEDERUNG ODER BESCHREIBUNG]
1. Zerlege die Dramaturgie: Einstieg, Spannungsaufbau, Wendepunkte, Schluss.
2. Welche Funktion hat jeder Abschnitt für das Publikum?
3. Gib mir eine wiederverwendbare Storyline-Schablone mit {Platzhaltern}, die ich für ein neues Thema neu füllen kann.
⚠️
Hier wird es heikel: Bei Stil, Prozess und Dramaturgie gibt es kein sichtbares Muster im Ergebnis. Die KI füllt Lücken mit dem, was plausibel klingt. Das kann erfundene Regeln oder erfundene Schritte bedeuten. Genau deshalb gibst du mehrere Beispiele und lässt Unsicheres ausweisen.
Übung: Deine Stimme portabel machen
Aufgabe: Sammle drei bis fünf Texte, die klar nach dir klingen.
Lass das Stil-Profil als System-Prompt ableiten.
Schreib mit dem Profil einen neuen Text zu einem frischen Thema.
Bewerte ehrlich: Klingt das nach dir oder nach einer Karikatur von dir?
Schärf das Profil nach. Welche Regel war zu grob, welche fehlte?
Zeitaufwand: ~12 Minuten
Takeaway
Regel #3: Auch Unsichtbares wird zur Schablone. Stil, Ablauf und Dramaturgie holst du heraus, indem du mehrere Beispiele zeigst und die KI ihre Unsicherheit benennen lässt.
Schritt 5 von 7
Reverse Engineering im Coding (auch ohne Dev zu sein)
Du musst nicht programmieren können. Du musst nur ein gutes Ergebnis erkennen und es rückwärts lesen lassen.
Für Nicht-Devs ist Reverse Engineering der eigentliche Einstieg ins Coden mit KI. Du schreibst keinen Code vorwärts. Du drehst die Richtung um: vom Ergebnis zum Verständnis, vom Ergebnis zum Bauplan. Die Methode aus dieser Lesson ist hier eins zu eins anwendbar.
Vier Bewegungen, kein Dev-Wissen nötig
Bewegung
Du hast …
Du gewinnst …
Code → Klartext
Code, den du nicht geschrieben hast
Eine Erklärung in deiner Sprache
Feature → Bauplan
Eine App, die du gut findest
Eine Spec zum Nachbauen mit KI
Screenshot → Code
Ein Design, das dir gefällt
Den Code, der es erzeugt
Fehler → Ursache
Etwas ist kaputt
Die wahrscheinliche Ursache plus Fix-Idee
Der stärkste Hebel: vom Feature zum Bauplan
Du siehst eine App oder ein Feature, das du gut findest. Statt vorwärts zu beschreiben, was du willst, drehst du es um: Lass die KI das Ergebnis in einen Bauplan zerlegen, den du einem KI-Coding-Tool zum Nachbauen gibst. Das ist der Mindset-Flip der Lesson, nur in Code.
Meta-Prompt: Feature → Bauplan
Ich zeige dir ein Feature oder eine App, die ich gut finde:
[BESCHREIBUNG ODER SCREENSHOT]
1. Zerlege es: Aus welchen Bausteinen besteht es? Welche Funktionen, welche Daten, welche Schritte macht der Nutzer?
2. Schreib daraus eine Bau-Spec, die ich einem KI-Coding-Tool geben kann, um eine einfache Version selbst zu bauen.
3. Markiere, was für eine erste Version wirklich nötig ist und was später kommt.
Schreib für jemanden ohne Programmier-Hintergrund.
✅
Damit der Bauplan hält: Eine Spec ist nur so gut wie ihre Lücken. Wie du Briefings für Coding-Agents robust machst, zeigt die Lesson Prompts, die halten.
Beispiel Landingpage: Struktur und Copy zurückgewinnen
Eine Landingpage, die konvertiert, hat eine unsichtbare Struktur: die Reihenfolge der Sektionen, was wann kommt, wie die Headline zum Call-to-Action führt. Statt das Layout abzumalen, holst du genau diese Logik heraus und machst sie zur Vorlage für dein nächstes Angebot.
Meta-Prompt: Landingpage → Struktur- und Copy-Vorlage
Hier ist eine Landingpage, die ich überzeugend finde:
[URL, SCREENSHOT ODER TEXT]
1. Zerlege den Aufbau: Welche Sektionen in welcher Reihenfolge, welcher Zweck pro Sektion?
2. Leite die Copy-Logik ab: Wie ist die Headline gebaut, wie führt der Text zum CTA?
3. Gib mir eine wiederverwendbare Struktur-Vorlage mit {Platzhaltern} für Headline, Nutzen, Beleg und CTA.
So, dass ich sie für ein anderes Angebot neu füllen kann.
Code → Klartext: verstehen, bevor du vertraust
Die KI hat dir Code gebaut, oder du hast irgendwo welchen gefunden. Bevor du ihn übernimmst, lässt du ihn rückwärts in Klartext übersetzen. Nicht nur „was tut das", sondern auch „was passiert, wenn ich hier etwas ändere".
Code verstehen ohne Dev-Wissen
Hier ist ein Stück Code, das ich nicht geschrieben habe:
[CODE EINFÜGEN]
- Erklär in einfachen Worten, was es tut, als wäre ich kein Entwickler.
- Was würde passieren, wenn ich [STELLE] ändere?
- Gibt es etwas, das hier riskant oder kaputt sein könnte?
Einmal-Lösung → wiederverwendbare Vorlage
Das kennst du aus Step 2. Du hast ein Skript oder eine kleine Automatisierung, die einmal funktioniert hat (etwa ein Make- oder n8n-Flow). Lass die KI sie in eine Vorlage verwandeln, bei der nur die eine echte Variable wechselt (eine Datei, ein Ordner, eine Tabelle, ein Trigger). Aus der Einmal-Lösung wird ein Blueprint, den du immer wieder einsetzt. Die Denkarbeit steckt in der Vorlage, nicht in jedem neuen Versuch.
⚠️
Bei Code besonders wichtig: Ein Bauplan oder eine Erklärung kann plausibel klingen und trotzdem falsch sein. Verlass dich nicht aufs Lesen. Lass es laufen, teste es an einem echten Fall. Das ist die Gegenprobe aus dem nächsten Step, in Code.
Übung: Vom Feature zum Bauplan
Aufgabe: Such dir eine kleine App oder ein Feature, das du im Alltag nutzt und gut findest.
Beschreib es der KI und lass den Bauplan ableiten (Meta-Prompt oben).
Streich alles, was für eine erste Version nicht nötig ist.
Gib die Spec einem KI-Coding-Tool (z. B. Claude, Lovable, v0) und bau eine winzige Version.
Vergleiche: Hat der Bauplan das Wesentliche getroffen oder nur die Oberfläche?
Zeitaufwand: ~15 Minuten
Takeaway
Regel #4: Auch Coding läuft rückwärts. Vom Ergebnis zum Verständnis, vom Feature zum Bauplan. Du brauchst kein Entwickler zu sein, nur die Methode und die Gegenprobe.
Schritt 6 von 7
Gegenprobe: wann die Schablone hält
Eine Schablone aus einem Beispiel ist eine Vermutung. Erst die Gegenprobe macht sie verlässlich.
Der häufigste Fehler kommt nach dem Erfolg. Die erste Schablone funktioniert, du bist begeistert, du behandelst sie wie ein Gesetz. Dabei ist eine Schablone aus einem einzigen Beispiel eine Hypothese. Sie kann an einem Sonderfall hängen, der gar nicht das eigentliche Muster ist.
Die Verifikations-Routine
Gegen 2–3 Beispiele testen: Erklärt die Schablone auch andere gelungene Fälle, nicht nur den einen?
Auf einen Gegenfall anwenden: Produziert sie bei einem bewusst anderen Input immer noch Brauchbares?
Fragen, was bricht: Lass die KI selbst sagen, wo ihre Vorlage versagt.
Nachschärfen: Streich überangepasste Regeln, ergänz die echte Stellschraube.
Typische Fehlerquellen
Falle
Woran du sie erkennst
Gegenmittel
Überanpassung
Die Schablone passt nur auf das eine Beispiel
Gegen mehrere Fälle prüfen
Erfundene Regeln
Plausibel formuliert, aber im Beispiel nicht belegt
„Zeig mir die Belegstelle"
Stil-Mimikry
Klingt oberflächlich richtig, ohne Substanz
Auf neues Thema anwenden
Prozess-Lücken
Schritte, die nur logisch klingen
Unsicheres ausweisen lassen
💡
Nutz den Assistenten: Der Frag-KI-Chat dieser Lesson kennt die Reverse-Schleife. Bring eine Schablone mit, die du gebaut hast, und lass sie gegen einen Grenzfall prüfen.
Übung: Belastungstest
Aufgabe: Nimm eine Schablone aus einer der vorherigen Übungen.
Wähl bewusst einen Grenzfall, der sie herausfordert.
Wende sie an und beobachte, was kippt.
Frag die KI: „Wo versagt diese Vorlage und warum?"
Schärf nach, bis sie zwei sehr unterschiedliche Fälle abdeckt.
Zeitaufwand: ~8 Minuten
Takeaway
Regel #5: Die Gegenprobe trennt die Schablone vom Zufallstreffer. Was du nur an einem Beispiel geprüft hast, ist eine Vermutung, kein Werkzeug.
Schritt 7 von 7
Deine Schablonen-Bibliothek
Jedes gelungene Ergebnis ist ab jetzt ein Rohstoff. Du sammelst nicht Prompts. Du sammelst Schablonen.
Die ganze Methode in einem Satz: Zeig der KI ein gutes Ergebnis, lass sie die Regeln dahinter freilegen, gieß sie in eine Vorlage mit Platzhaltern und prüf sie an einem neuen Fall. Diese vier Schritte passen auf fast alles.
Schritt
Kernfrage
Typischer Output
Zeigen
Was funktioniert hier schon?
Das konkrete Beispiel
Zerlegen
Welche Regeln stecken dahinter?
Liste der Entscheidungen
Verallgemeinern
Was ist fest, was wechselt?
Vorlage mit {Slots}
Gegenprobe
Hält sie am neuen Fall?
Geprüfte, geschärfte Schablone
Deine Schablonen-Bibliothek
Der eigentliche Gewinn entsteht über Zeit. Jede Schablone, die die Gegenprobe besteht, legst du ab und benennst sie auffindbar. Nach ein paar Wochen hast du kein leeres Prompt-Feld mehr, sondern eine Sammlung erprobter Werkzeuge.
Prompt-Vorlagen für wiederkehrende Textsorten
Stil-Profile für dich, dein Team, deine Marke
Bild-Formeln mit Slots für einen konsistenten Look
Prozess-Anleitungen für Abläufe, die gut liefen
Struktur-Schablonen für Tabellen, Folien, Berichte
Wo du es überall einsetzt
Bereich
Reverse-engineere …
Zu einer Schablone für …
Marketing
Einen Post, der lief
Deine nächsten zehn Posts
Vertrieb
Eine Mail, die Antwort brachte
Deine Outreach-Vorlage
Bild & Media
Ein Bild im richtigen Look
Eine ganze Bildserie
Coding / No-Code
Eine App, die du gut findest
Den Bauplan zum Nachbauen
Automatisierung
Einen Flow, der läuft
Den wiederverwendbaren Blueprint
Präsentation
Einen Vortrag, der zog
Deine Storyline-Schablone
Web & Angebot
Eine Landingpage, die konvertiert
Struktur- und Copy-Vorlage
Doku & Wissen
Ein gutes Ergebnis ohne Anleitung
Den wiederholbaren Prozess
Qualität
Mehrere Beispiel-Bewertungen
Eine Bewertungs-Rubrik
Übung: Deine erste Bibliotheks-Schablone
Aufgabe: Wähl einen Bereich aus deinem Alltag und mach einen vollständigen Round-Trip.
Such ein Ergebnis, das funktioniert hat.
Lauf die vier Schritte durch: Zeigen, Zerlegen, Verallgemeinern, Gegenprobe.
Speichere die geprüfte Schablone mit einem klaren Namen.
Notiere in einem Satz, wofür sie passt und wofür nicht.
Das ist der erste Eintrag in deiner Bibliothek. Der nächste geht schneller.
Takeaway
Das Mindset: Du musst nicht jedes Mal von Null beschreiben können, was du willst. Du musst nur ein gutes Ergebnis erkennen. Den Rest holt die KI heraus, du prüfst ihn nach und behältst die Schablone.
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