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Von Vibe Coding zu Agentic Coding

Schritt 1 von 7

Der Moment, an dem Vibe Coding kippt

Du beschreibst, was du willst, und es entsteht. Bis zu dem Punkt, an dem du nicht mehr sagen kannst, was die KI da eigentlich gebaut hat.

Lesson-Header: eine schnell zusammengesteckte Apparatur auf der Werkbank, die zu wackeln beginnt

Die Spirale, die jeder kennt

Du hast in Claude Code, Cursor oder Lovable beschrieben, was du brauchst. Es kam, sah gut aus, lief. Also hast du das nächste Feature drangehängt. Und plötzlich ist das erste kaputt. Du kopierst die Fehlermeldung zurück, die KI flickt, etwas anderes bricht. Nach der dritten Runde verstehst du deinen eigenen Code nicht mehr.

Das hat einen Namen. Vibe Coding: Du gibst dich dem Fluss hin, beschreibst in normaler Sprache, nimmst, was rauskommt, und wenn etwas bricht, schiebst du den Fehler zurück. Andrej Karpathy hat es so beschrieben: voll auf die Vibes setzen und vergessen, dass der Code überhaupt existiert.

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Vibe Coding ist nicht das Problem. Für einen Prototyp am Wochenende, ein Wegwerf-Skript, zum Lernen oder zum schnellen Ausprobieren ist es genau richtig. Es hat nur eine Decke. Und die merkst du erst, wenn du dagegen stößt.

Der eigentliche Shift dahinter

Hinter dem ganzen Thema steckt eine größere Bewegung: weg vom Wie (die genaue Syntax, Klammern, Semikolons) hin zum Was (was soll entstehen). Die Maschine übernimmt die Umsetzung. Du lieferst Absicht, Struktur und Urteil. Das gilt für Entwickler genauso wie für alle, die ohne klassischen Programmier-Hintergrund mit KI bauen.

Diese Lesson zeigt dir nicht, wie du Vibe Coding aufgibst. Sie zeigt dir, wie du bewusst eine Stufe höher gehst, wenn der Einsatz steigt. Vom reinen Vibe zum verlässlichen Bauen. Vom „läuft irgendwie" zum „läuft, und ich weiß warum".

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Voraussetzung: Du hast schon mal etwas mit einem KI-Tool gebaut. Wenn dir das mentale Modell hinter einer App fehlt (Frontend, Daten, Umgebungen), mach vorher Was Software eigentlich ist. Diese Lesson baut darauf auf.
Takeaway
Regel #1: Vibe Coding ist ein guter Start, kein Ziel. Die Decke zeigt sich genau dann, wenn du nicht mehr sagen kannst, was die KI da gebaut hat.
Schritt 2 von 7

Kein Schalter, ein Spektrum

Vibe Coding und Agentic Engineering sind keine Gegensätze. Sie sind die Enden eines Spektrums, und du entscheidest pro Aufgabe, wo du stehst.

Step-Header: ein Übergang vom rohen Materialklumpen links zum präzise gefertigten Zahnrad rechts

Es ist verlockend, Vibe Coding und Agentic Engineering als Entweder-Oder zu sehen. Hilfreicher ist ein Spektrum mit drei Stufen. Und der Unterschied liegt nicht darin, ob du KI nutzt. Ein Senior-Entwickler mit KI-Assistent und jemand, der locker Prompts raushaut, nutzen beide KI.

Der Unterschied ist: wie viel Struktur, Prüfung und Urteil die Ausgabe der KI umgibt.

Vibe Coding Strukturiert KI-gestützt Agentic Engineering
AbsichtLockerer Prompt in AlltagsspracheDetaillierter Prompt mit BeispielenSpec, Architektur, Regeldateien
Prüfung„Sieht es aus, als ob es geht?"Manuell, Stichproben an kritischen StellenAutomatische Tests, Checks, Gates
FehlerFehler zurückkopieren, neu ratenDu diagnostizierst, KI fixtSystem fängt Fehler selbst, du führst Architektur
Passt fürPrototyp, Skript, HobbyFeatures im bekannten ProjektProduktion, Team, echte Nutzer
RisikoHoch, aber ok für Wegwerf-CodeMittel, Urteil an SchlüsselstellenNiedrig, Prüfung an jeder Stufe

Die Einsätze ziehen die Linie

Wo du sitzen solltest, hängt nicht von deinem Können ab, sondern vom Einsatz der Aufgabe. Ein Tool, das nur du am Wochenende nutzt? Reines Vibe Coding ist völlig in Ordnung. Eine Logik, die echtes Geld verschiebt oder Kundendaten anfasst? Da gehörst du ans andere Ende. Die meiste echte Arbeit liegt dazwischen.

Die Faustregel: Was den Einsatz erhöht, schiebt dich nach rechts. Echtes Geld, echte Daten, echte Nutzer, Produktion. Was wegwerfbar ist, schiebt dich nach links. Die Fähigkeit besteht darin, diese Linie pro Aufgabe zu ziehen, nicht ein für alle Mal.
Übung: Verorte deine Projekte

Aufgabe: Nimm drei Dinge, die du gerade mit KI baust oder gebaut hast.

  1. Verorte jedes auf dem Spektrum: Vibe, Strukturiert oder Agentic?
  2. Frag pro Projekt: Wer trägt den Schaden, wenn es kaputtgeht? Nur du oder andere?
  3. Liegt eins zu weit links für seinen Einsatz? Genau das ist dein Kandidat für die nächsten Steps.

Zeitaufwand: ~5 Minuten

Takeaway
Regel #2: Es ist kein Schalter, sondern ein Spektrum. Nicht dein Können entscheidet, wo du stehst, sondern der Einsatz der Aufgabe.
Schritt 3 von 7

Der eine Unterschied: Verifikation

Wenn du nur eine Sache aus dieser Lesson mitnimmst: Was deine Ausgabe von Glück trennt, ist die Art, wie du sie prüfst.

Step-Header: ein fertiges Werkstück wird unter Prüflicht mit der Messlehre kontrolliert, ein feiner Riss wird sichtbar

„Sieht gut aus" ist keine Prüfung

Du hast auf „sieht gut aus" geklickt. Die Demo lief, alle waren zufrieden. Drei Tage später bricht ein Fall, an den niemand gedacht hat. Das Tückische: Der Code sah richtig aus. Er hat sogar die einfachen Tests bestanden.

Genau hier entscheidet sich alles. Ohne Verifikation bleibt es Vibe Coding, egal wie clever dein Prompt war. Zwei Mechanismen arbeiten am anderen Ende zusammen: Tests prüfen das Berechenbare (gleicher Input, gleicher Output). Checks und Evals prüfen das Urteilsabhängige (hat die KI den richtigen Weg genommen, das richtige Ergebnis geliefert).

Das 80-Prozent-Problem

KI bringt dich schnell auf rund 80 Prozent. Die letzten 20 Prozent sind das Teure: Randfälle, Fehlerbehandlung, die Stellen, wo dein Code an fremde Systeme andockt, und die feinen Korrektheits-Fragen. Dafür fehlt dem Modell oft der Kontext, den nur du hast.

Die Art der Fehler hat sich verschoben. Früher waren es Tippfehler, die sofort auffielen. Heute sind es gedankliche Fehler: falsche Annahmen über deine Geschäftslogik, eine übersehene Ausnahme, eine Architektur-Entscheidung, die in sechs Monaten teuer wird. Schwerer zu finden, weil der Code richtig aussieht.

⚠️
Der gefährlichste Fall ist nicht der sichtbare Fehler. Es ist die Ausgabe, die fließend aussieht, die einfachen Tests besteht und trotzdem falsch ist. Genau dort wohnen Produktionsausfälle und Sicherheitslücken.

Wie du als Praktiker prüfst

  • An einem echten Fall laufen lassen, nicht nur die Demo klicken. Echte Daten, echte Eingaben.
  • Für den kritischen Pfad einen Check schreiben, bevor du ihn baust. Was muss am Ende stimmen?
  • Jede Zeile reviewen, die in Produktion geht. Sei skeptisch bei allem, was clever aussieht.
  • Importe auf echte Pakete prüfen. KI erfindet manchmal Bibliotheken, die es nicht gibt (ein echtes Sicherheitsrisiko).
  • Die KI selbst fragen: „Wo bricht das? Welchen Fall habe ich übersehen?"
Übung: Finde deine 20 Prozent

Aufgabe: Nimm ein Feature, das die KI dir kürzlich gebaut hat.

  1. Frag dich: Wo würde das brechen? Leeres Feld, falsches Format, doppelter Klick, kein Internet?
  2. Schreib für genau einen dieser Fälle einen kleinen Check oder Test.
  3. Lass die KI ihn ausführen. Hält das Feature, oder hast du gerade deine 20 Prozent gefunden?

Zeitaufwand: ~10 Minuten

Takeaway
Regel #3: Generierung ist billig geworden, Verifikation ist das Handwerk. Die 20 Prozent, die dir gehören, sind genau die, in denen Korrektheit wohnt.
Schritt 4 von 7

Der Harness: hör auf, das Modell zu beschuldigen

Wenn der Agent Mist baut, ist der erste Reflex: schlechtes Modell. Meistens ist es deine Konfiguration.

Step-Header: ein blanker Motor auf der Werkbank, umgeben von Riemen, Lehren und einem stützenden Rahmen

Der Agent macht etwas Dummes, und dein erster Gedanke ist: Das Modell ist schlecht geworden, ich brauche das nächste. Diese Intuition führt zu den falschen Entscheidungen. Ein rohes Modell ist noch kein Agent. Es wird erst dazu durch das, was es umgibt.

Das Modell ist nur der Motor

Ein Motor allein baut kein Auto. Er braucht Riemen, Getriebe, Sensoren, ein Chassis. Beim Bauen mit KI heißt diese ganze Maschinerie um das Modell herum der Harness: das Gerüst, das aus einem Modell erst einen handelnden Agenten macht. Kurz gesagt:

Die Gleichung
Agent = Modell + Harness

Das Verhalten, das du in Claude Code, Cursor oder Codex erlebst, wird zum großen Teil vom Harness bestimmt, nicht allein vom Modell darunter. Öffentliche Benchmarks zeigen das deutlich: Ein Team hat einen Coding-Agenten von außerhalb der Top 30 in die Top 5 gebracht, ohne das Modell zu wechseln. Nur den Harness.

💡
Die wichtigste Einsicht für den Alltag: Die meisten Agenten-Fehler sind Konfigurations-Fehler. Ein fehlendes Werkzeug, eine vage Regel, ein fehlender Leitplanken-Check, ein Kontext-Fenster voller Rauschen. Bevor du das Modell beschuldigst, prüf den Harness.

Dein Harness als Builder

  • Die Regeldatei: CLAUDE.md oder AGENTS.md. Wer ist der Agent, was sind die harten Regeln, wie läuft der Workflow.
  • Der Kontext, den du fütterst: die richtigen Dateien, Beispiele, Konventionen statt alles auf einmal.
  • Leitplanken: Regeln, die der Agent nie brechen darf (zum Beispiel: keine Passwörter in den Code).
  • Werkzeuge: worauf der Agent zugreifen darf und worauf nicht.
  • Die Tests: die automatische Rückmeldung, ob die Ausgabe taugt.
Eine Regeldatei mit zehn Zeilen (CLAUDE.md / AGENTS.md)
# Projekt: Kunden-Dashboard

Stack: Astro, TypeScript, Tailwind. Paketmanager: pnpm (nie npm).

Konventionen:
- Komponenten in src/components, eine Datei pro Komponente
- Texte auf Deutsch, Du-Ansprache

Harte Regeln:
- Keine Secrets oder Passwörter im Code
- Keine neuen Pakete ohne Rückfrage

Workflow: Erst Plan zeigen, dann umsetzen, am Ende `pnpm build` prüfen.
Fang mit zehn Zeilen an. Stack, Konventionen, harte Regeln, Workflow. Und dann ergänze eine Regel jedes Mal, wenn der Agent etwas tut, das er nicht wieder tun soll. Wie du Kontext gezielt aufbereitest, vertieft die Lesson Context Management.
Übung: Schreib deine erste Regeldatei

Aufgabe: Nimm das Projekt aus Step 2, das zu weit links lag.

  1. Schreib eine Regeldatei mit zehn Zeilen nach dem Muster oben: Stack, Konventionen, harte Regeln, Workflow.
  2. Leg sie als CLAUDE.md oder AGENTS.md ins Projekt.
  3. Stell dem Agenten die nächste Aufgabe und beobachte: Hält er sich dran? Was fehlt noch?

Zeitaufwand: ~10 Minuten

Takeaway
Regel #4: Bevor du das Modell beschuldigst, prüf den Harness. Das Gerüst um das Modell ist deine Fläche, nicht die des Anbieters.
Schritt 5 von 7

Dirigent oder Orchestrator

Mal sitzt du daneben und liest jede Zeile mit. Mal gibst du ein Ziel und prüfst das Ergebnis später. Beides ist richtig, je nach Aufgabe.

Step-Header: links lenken zwei Hände direkt ein Werkzeug, rechts überwacht eine Person von einem Pult mehrere laufende Werkstücke

Während die KI mehr von der Umsetzung übernimmt, verschiebt sich deine Rolle. Zwei Modi sind hilfreich, zwischen denen du fließend wechselst: Dirigent und Orchestrator. Keiner ist besser. Sie passen zu unterschiedlichen Aufgaben.

Dirigent: in Echtzeit führen

Im Dirigenten-Modus arbeitest du in Echtzeit mit der KI als Paar-Programmierer. Du bist im Editor, siehst den Code entstehen, korrigierst mit Prompts, behältst die feine Kontrolle. Typisch für komplexe Logik, kniffliges Debugging oder fremden Code, wo du jede Änderung verstehen willst. Werkzeuge wie Copilot oder Cursor mit Inline-Vorschlägen unterstützen das.

Orchestrator: delegieren und reviewen

Im Orchestrator-Modus arbeitest du eine Ebene höher. Du definierst ein Ziel, übergibst es an einen Agenten und prüfst das Ergebnis, aber du schaust nicht Zeile für Zeile zu. Agenten arbeiten im Hintergrund, oft parallel. Typisch für klar umrissene Aufgaben: Bugfixes, Features nach bekanntem Muster, Migrationen, Test-Generierung. Werkzeuge wie Claude Code oder Hintergrund-Agenten unterstützen das.

Dirigent Orchestrator
WannKomplexe Logik, fremder Code, DebuggingKlar umrissene, gut beschreibbare Aufgaben
KontrolleZeile für Zeile, in EchtzeitÜber das Ziel und das Ergebnis
BeispielEine knifflige Berechnung sauber hinbekommenZehn Dateien auf ein neues Muster migrieren
RisikoWird zum Flaschenhals, wenn du alles dirigierstDu übersiehst etwas, wenn du das Review schludrig machst

Wo die Agenten leben

  • Im Editor: Inline-Vorschläge und Chat, während du tippst. Hier bleibst du im Fluss.
  • Im Terminal: Du gibst ein Ziel in Alltagssprache, der Agent arbeitet über mehrere Dateien, führt Sachen aus und reagiert auf das Ergebnis.
  • Im Hintergrund: Der Agent läuft selbstständig in der Cloud, oft über Stunden, und liefert am Ende ein fertiges Ergebnis zum Review.
💡
Meist nutzt du alle drei an einem Tag. Der richtige Startpunkt hängt von der Aufgabe ab, nicht davon, was auf irgendeiner Autonomie-Leiter am höchsten steht. Der Modus folgt der Aufgabe.
Takeaway
Regel #5: Wähl den Modus, den die Aufgabe braucht. Dirigent, wenn du verstehen musst. Orchestrator, wenn du Durchsatz brauchst.
Schritt 6 von 7

Dein erster Schritt nach oben

Du musst nicht das ganze Spektrum auf einmal hochklettern. Eine Struktur-Ebene über deinem aktuellen Stand reicht.

Step-Header: eine Hand setzt eine einzelne Führungsschiene auf eine bisher rohe Werkbank-Konstruktion

Das Spektrum kann einschüchtern. Tests, Specs, Evals, Leitplanken: Das klingt nach einem riesigen Aufbau, bevor du eine Zeile schreibst. Musst du aber nicht. Der Weg nach oben ist eine Struktur-Ebene über deinem aktuellen Stand, nicht der Sprung ans andere Ende.

Vier Züge, die aus Vibe Coding Engineering machen

  1. Wähl einen wiederkehrenden Workflow. Etwas, das du regelmäßig baust, nicht das einmalige Experiment.
  2. Schreib die Regeldatei mit zehn Zeilen. Stack, Konventionen, harte Regeln, Workflow.
  3. Schreib den Check zuerst. Vor dem Code: Was muss am Ende stimmen?
  4. Reviewe jede Zeile, die in Produktion geht. Verstehst du sie nicht, geht sie nicht raus.

Der entscheidende Zug ist der dritte. Ein Test oder Check, den du vorher schreibst, ist dein Vertrag mit der KI. Er sagt präziser als jeder Prompt, was „richtig" bedeutet, und gibt dir eine automatische Art, es zu prüfen. Genau das verwandelt Vibe Coding in Agentic Engineering.

Zug Vibe (vorher) Eine Ebene drauf (nachher)
Workflow wählenJedes Mal neu draufprompten, was gerade anstehtEinen wiederkehrenden Ablauf bewusst zum ersten Kandidaten machen
RegeldateiDie KI rät deine Konventionen bei jedem Lauf neuZehn Zeilen, die sie nicht mehr raten muss
Check zuerstAm Ende schauen, ob es irgendwie passtVorher festlegen, was am Ende stimmen muss
ReviewÜbernehmen, was läuftVerstehen, was rausgeht, bevor es rausgeht
Du brauchst nicht alle vier perfekt. Einer ist schon Bewegung. Eine Regeldatei dort, wo vorher keine war. Ein Check dort, wo du vorher nur geklickt hast. Fang an, wo du stehst.

Und halt deine eigenen Fähigkeiten scharf

Es gibt eine Falle in die andere Richtung. Wenn die KI die Routine übernimmt, verkümmern deine Grundlagen, falls du nicht aufpasst. Debugging, ein Gespür für Architektur, das Urteil, ob etwas wirklich korrekt ist: Genau das brauchst du, um die letzten 20 Prozent zu führen. Behandle die KI als Verstärker deiner Expertise, nicht als Ersatz. Wer das Denken ganz abgibt, verliert genau die Fähigkeit, die ihn noch gebraucht macht.

⚠️
Die andere Übertreibung: Bau keine Kathedrale aus Tests und Specs für ein Wochenend-Tool. Eine Ebene zu viel ist genauso daneben wie eine zu wenig. Die Kunst ist das richtige Maß für den Einsatz, nicht das Maximum.
Übung: Eine Ebene drauf

Aufgabe: Nimm dein Vibe-Projekt aus den letzten Steps.

  1. Füg genau eine Struktur-Ebene hinzu: entweder die Regeldatei oder einen Check für den kritischen Pfad.
  2. Stell dem Agenten danach die nächste Aufgabe.
  3. Vergleiche: Ist die Ausgabe näher dran als vorher? Wo musst du weniger nachbessern?

Zeitaufwand: ~15 Minuten

Takeaway
Regel #6: Eine Ebene Struktur schlägt den großen Plan. Du musst nicht ans andere Ende springen, nur einen Schritt höher als jetzt.
Schritt 7 von 7

Das Spektrum als Kompass

Generierung ist gelöst. Was bleibt, ist deine Aufgabe geworden.

Lesson-Abschluss: geordnete Werkstattwand mit Bauplänen, Lehren und einem Kompass auf der Zeichnung

Die ganze Lesson in einer Bewegung: Steigt der Einsatz, füg Struktur hinzu. Verifikation ist das Scharnier. Der Harness ist dein Hebel. Und zwischen Dirigent und Orchestrator wechselst du, wie die Aufgabe es verlangt.

Stufe Wann Was du investierst
Vibe CodingPrototyp, Skript, LernenFast nichts, du nimmst, was kommt
StrukturiertFeatures im bekannten ProjektRegeldatei, Stichproben, Urteil an Schlüsselstellen
Agentic EngineeringProduktion, Team, echte NutzerSpecs, Tests, Leitplanken, Prüfung an jeder Stufe

Die sechs Regeln auf einen Blick

  1. Vibe Coding ist ein Start, kein Ziel.
  2. Es ist kein Schalter, sondern ein Spektrum. Der Einsatz zieht die Linie.
  3. Ohne Verifikation bleibt es Vibe Coding. Dir gehören die letzten 20 Prozent.
  4. Bevor du das Modell beschuldigst, prüf den Harness.
  5. Wähl den Modus, den die Aufgabe braucht: Dirigent oder Orchestrator.
  6. Eine Ebene Struktur schlägt den großen Plan.

Drei Dinge, die bleiben

  1. Struktur skaliert, Vibes nicht. Zum Erkunden und für Wegwerf-Code ist Vibe Coding goldrichtig. Für alles, worauf sich jemand verlässt, braucht es Disziplin. Zwischen „es scheint zu gehen" und „es geht unter allen Bedingungen" wohnen die Ausfälle.
  2. KI verstärkt deine Kultur. Wer sauber prüft und klar denkt, holt deutlich mehr raus. KI ist ein Multiplikator: Sie verstärkt deine Stärken und deine Schwächen gleichermaßen.
  3. Deine Rolle wächst, sie schrumpft nicht. Die Arbeit verschiebt sich vom Tippen zum Urteilen. Wer Absicht präzise macht, Ergebnisse kritisch prüft und Systeme aus Regeln und Checks baut, wird wertvoller, nicht überflüssig.

Die konkreten Werkzeuge in dieser Lesson ändern sich schnell. Welcher Agent gerade vorn liegt, ist in zwölf Monaten vielleicht ein anderer. Was bleibt, ist das Spektrum, die Verifikation und dein Urteil. Genau deshalb geht es hier um Prinzipien, nicht um Tool-Tricks. Prinzipien halten, Tricks veralten.

Wohin als Nächstes

Wenn du … Geh zu
die stillen Entscheidungen verstehen willst, die Agenten für dich treffenEntscheidungen beim AI-Coding
deinen Kontext gezielt aufbereiten willst (das Herz des Harness)Context Management
Agenten ernsthaft durchdenken willst (die sechs Dimensionen)Agent Design Space
eine Bau-Spec robust briefen willst, ohne LückenPrompts, die halten

Der Satz, der bleibt

Die KI nimmt dir das Tippen ab, nicht das Denken. Was sie gut kann, ist schnell produzieren. Was sie schlecht kann, ist wissen, wann es richtig ist. Das bleibt deine Arbeit, und sie wird wertvoller, nicht weniger wert.

💡
Generierung ist gelöst. Verifikation, Urteilsvermögen und Richtung sind das neue Handwerk.
Takeaway
Das Mindset: Du wirst nicht überflüssig, weil die KI schneller tippt. Du wirst wichtiger, weil jemand entscheiden muss, was richtig ist. Generieren ist gelöst. Prüfen, urteilen, lenken: das bist du.
Rico Loschke

Rico Loschke

KI-Stratege & Übersetzer zwischen Tech und Business

15+ Jahre Digitalisierung, 4+ Jahre KI. Ich übersetze zwischen Technologie und Unternehmensstrategie, berate und trainiere Organisationen auf ihrem KI-Weg. Hier teile ich, was ich dabei lerne.

loschke.ai. Visionen, Konzepte, Meinungen →
unlearn.how

Diese Lessons gibt es auch als Team-Training.

Workshops, Seminare und Begleitung für Unternehmen, die KI nicht nur verstehen, sondern anwenden wollen.

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