← Alle Lessons|Zwei Prompts bis live – Anatomie einer automatischen Content-Fabrik

Zwei Prompts bis live – Anatomie einer automatischen Content-Fabrik

Schritt 1 von 9

Zwei Prompts

Der gesamte sichtbare Aufwand einer Lesson-Produktion steht in zwei kurzen Nachrichten. Der Rest ist System.

Die Messinghand eines historischen Schreibautomaten setzt mit einer Feder die letzten Zeichen auf einen Bogen, dahinter das offene Räderwerk

Am Anfang der Produktion einer Lesson auf lernen.diy steht eine kurze Nachricht an einen KI-Agenten. Am Ende steht eine zweite. Dazwischen entstehen rund 3.000 Wörter geprüfter Text, ein Dutzend Bilder aus drei verschiedenen Modellen, unsichtbares Chat-Wissen und ein deploybarer Stand. Wenn der erste Wurf sitzt, sieht die gesamte menschliche Eingabe so aus:

Prompt 1 – der Auftrag (echt, sinngemäß gekürzt)
Ich würde gern eine außergewöhnliche Lesson erstellen: Sie soll
reverse-engineeren, wie die Lessons und die Plattform selbst
entstehen. Welche Systeme sind beteiligt, wie wird Qualität
gesichert, welche Schnittstellen sind als Werkzeuge verfügbar?
Prompt 2 – die Freigabe (echt, vollständig)
Passt alles. Commit und Push.

# Danach ohne weiteres Zutun: Merge auf main,
# Vercel baut und deployt automatisch.

In der Praxis kommen Zwischenschritte dazu: eine Plan-Freigabe per Klick, Review-Kommentare, wenn etwas nicht sitzt. Aber die Arbeitsteilung bleibt in jedem Fall dieselbe: Der Mensch liefert Richtung und Urteil, das System liefert Ausführung. Diese Lesson folgt der Produktion chronologisch, von Minute null bis zum Deployment, und zeigt an jeder Station zwei Dinge: was automatisch passiert und was dafür einmal gebaut werden musste.

Schaubild: Eisberg mit zwei Prompts über der Wasserlinie und den Systemschichten darunter

Gebaut hat dieses System Rico Loschke. lernen.diy ist dabei kein Unternehmen mit Redaktion, sondern ein Ein-Personen-Projekt, und die Fabrik ist die Antwort auf eine nüchterne Rechnung: Neben allem anderen kann eine Person Lessons in diesem Umfang nicht regelmäßig von Hand produzieren. Mit kuratiertem Wissen, festen Regeln und automatisierten Pipelines geht es. Der Preis dafür ist an anderer Stelle bezahlt worden, vor dem ersten kurzen Prompt, und genau diese Vorarbeit ist der rote Faden der folgenden Steps.

Schritt 2 von 9

Minute null

Schritt 1 – Warum ein Auftrag mit 60 Wörtern reicht: der kuratierte Kontext, der automatisch mitlädt.

Ein einzelner Messinghebel wird umgelegt, dahinter setzt sich eine Wand aus Nockenwalzen und Zahnrädern in Bewegung

Der Prompt ist kurz, weil der Kontext lang ist

Was bei Prompt 1 wirklich beim Modell ankommt, ist nicht der eine Satz. Bevor der Agent das erste Wort schreibt, laden automatisch: eine dreistufige Hierarchie von Kontext-Dateien (wer der Auftraggeber ist, welche Marke welchen Ton hat, was hart verboten ist), vier Projekt-Rules mit Technik-Konventionen und der Index von 32 Memory-Notizen, in denen frühere Korrekturen destilliert sind. Dazu kommt auf Abruf der Lesson-Factory-Skill mit Schema, Didaktikregeln und Bild-Workflow. Alles davon sind einfache Textdateien.

Schaubild: vier Quellen fließen in ein Kontextfenster – CLAUDE.md, Rules, Skill, Memory
Was bei Prompt 1 aktiv wird (echt gemessen, in Wörtern)
   859  CLAUDE.md global    wer, Marke, Voice, harte Verbote
   963  CLAUDE.md hub       Arbeitsteilung Vault/Repo, Freigabe-Regeln
   478  CLAUDE.md projekt   Stack, Architektur, Content-Schema
   915  4x Projekt-Rules    Astro, Content, Styling, TypeScript
    32  Memory-Notizen      Index destillierter Korrekturen
+6.840  Lesson-Factory      auf Abruf: Schema, Didaktik, Bildregeln
————————————————————————————————————————————————
≈10.000 Wörter kuratierte Arbeitsanweisung, pro Auftrag, automatisch

Der Auftrag oben hat rund 60 Wörter. Er funktioniert, weil auf jedes Wort des Prompts etwa 170 Wörter vorbereiteter Anweisung kommen. Das ist der Kern von Context Engineering: Die Qualität einer Antwort entsteht nicht im Prompt, sondern in dem, was neben dem Prompt im Kontextfenster steht. Wer jede Session bei null anfängt, muss jede Session alles neu erklären.

Geladen wird nur, was der Auftrag braucht

Die 10.000 Wörter landen nicht als Block im Kontext, sondern gestaffelt: Die CLAUDE.md-Ebenen und Rules laden immer, der Skill nur bei passender Aufgabe, und vom Skill wiederum nur die Dateien des gewählten Output-Pfads. Für eine JSON-Lesson liest der Agent die JSON-Referenz und die Bildregeln, die drei HTML-Referenzdateien bleiben ungelesen. Das Memory lädt als Index, einzelne Notizen erst bei Bedarf. Das Prinzip heißt Progressive Disclosure und hält das Kontextfenster frei für die eigentliche Arbeit. Eine echte Regel pro Schicht, damit greifbar wird, was dort steht:

  • CLAUDE.md: „ogImage und audioSrc erst ins Frontmatter, wenn die Dateien existieren.“ Sonst zeigt die Seite kaputte Bilder und tote Player.
  • Rules: „Nie Hex-Farben in Komponenten hardcoden, immer semantische Tokens wie text-accent.“
  • Skill: „Nie zwei Textblöcke ohne visuelle Unterbrechung, jeder Content-Step endet mit einem Takeaway.“
  • Memory: „Takeaways als nummerierte Regeln formulieren, Zähler konsequent auf allen Content-Steps.“
🏗️
Die Vorarbeit dahinter: Diese 10.000 Wörter sind nicht an einem Nachmittag entstanden. Jede Voice-Regel stammt aus einer echten Korrektur, jede Memory-Notiz aus einem Review, jede Rule aus einem Fehler, der nicht wieder passieren sollte. Die Dateien sind über Monate gewachsen und werden bis heute nach jeder Produktion nachgeschärft.
Übung: Deine erste Kontext-Seite

Aufgabe: Baue den Anfang deines eigenen automatischen Kontexts.

  1. Schreibe eine Seite mit vier Abschnitten: Wer du bist und wofür du produzierst. Deine Zielgruppe und Ansprache. Drei harte Verbote (was nie passieren darf). Drei Formatregeln (was immer gilt).
  2. Gib diese Seite bei deinen nächsten drei KI-Aufträgen als Kontext mit und notiere, welche Korrekturen trotzdem nötig waren.
  3. Jede dieser Korrekturen wird ein neuer Eintrag auf der Seite.

Zeitaufwand: ~20 Minuten plus laufende Pflege

Takeaway
Regel 1: Ein kurzer Prompt ist das Ergebnis eines langen Kontexts. Investiere in die Dateien, die automatisch mitladen, dann schrumpfen deine Prompts von selbst.
Schritt 3 von 9

Recherche und Plan

Schritt 2 – Parallele Erkundung, Wissen aus dem kuratierten Vault und ein Plan, den ein Mensch freigibt.

Ein Archivschrank mit flachen Schubladen voller Nockenwalzen, eine Mechanik wählt eine Walze aus

Erst verstehen, dann bauen

Bei größeren Aufträgen baut der Agent nicht sofort los. Er startet im Plan-Modus, in dem er nur lesen darf: Zwei Subagenten erkunden parallel das Repository (einer das Lesson-Format und den Skill, einer die Asset-Pipeline und die Gates), ein dritter entwirft daraus die Step-Architektur. Offene Entscheidungen gehen als Rückfragen an den Menschen. Dann erst kommt der Plan zur Freigabe, per Klick.

Schaubild: der Auftrag fächert sich in zwei parallele Erkundungen auf, die in Plan und Freigabe münden
Auszug aus dem echten Plan dieser Produktion (gekürzt)
## Step-Architektur (8 Steps)
Didaktischer Bogen: Artefakt → Architektur → Pipelines →
Kontrolle → Transfer. Jeder Content-Step: Header-Image als
Block 0, min. 1 Übung, endet mit nummeriertem Takeaway.
Übungen ohne Zugriff auf dieses Repo machbar.
…
## Verifikation
- astro check 0 errors, Build grün (2x: nach Pass 1 und Pass 2)
- Alle Bilddateien existieren, Helligkeit in den Zielbändern
- Dev-Server: Glossar-Links lösen auf, Chat zeigt Starterfragen

Drei Rückfragen, dann Freigabe

Was der Auftrag offenlässt, wird nicht geraten. Der Agent stellt Entscheidungsfragen als geschlossene Auswahl mit Empfehlung, der Mensch antwortet per Klick. Bei der Produktion dieser Lesson waren es genau drei:

Die drei Rückfragen dieser Produktion (echt)
1) Disziplin?         → ai-coding
2) Erzählperspektive?  → selbstreferenziell, am echten System
3) Umfang?             → komplette Fabrik, nicht nur die Lesson-Pipeline

// Danach: Plan zur Freigabe. Erst nach dem Go wird gebaut.

Die Wissensbasis für den Inhalt ist nicht das offene Netz, sondern der Vault: ein Obsidian-Wissensspeicher mit Voice-Regeln, Themen-Zuordnung, Seminar-Material und dem Register aller publizierten Inhalte, angebunden über eine MCP-Schnittstelle mit Such-, Lese- und Schreibzugriff. Der Unterschied ist grundsätzlich: Das Modell recherchiert in einem Bestand, den ein Mensch kuratiert hat. Es findet die eigene Position zu einem Thema, nicht den Durchschnitt des Internets.

🏗️
Die Vorarbeit dahinter: Der Vault ist die teuerste Einzelposition der ganzen Fabrik: Jahre an Notizen, in eine feste Struktur gebracht, mit Status-Feldern versehen, laufend gepflegt. Ohne dieses kuratierte Wissen wäre jede noch so gute Automatisierung generisch. Die Pipeline wäre dieselbe, der Inhalt beliebig.
Übung: Dein Mini-Vault

Aufgabe: Lege den Kern deiner eigenen Wissensbasis an.

  1. Wähle die fünf Quellen, die deine fachliche Position am besten abbilden: eigene Texte, Notizen, Projektberichte, kommentierte Referenzen.
  2. Lege sie in einen einzigen Ordner und schreibe zu jeder zwei Sätze: Was steht drin, und wann soll eine KI sie heranziehen?
  3. Teste: Gib einer KI eine Fachfrage einmal ohne und einmal mit diesen fünf Quellen und vergleiche, wie stark sich die Antwort deiner Position nähert.

Zeitaufwand: ~30 Minuten

Takeaway
Regel 2: Automatisierung ist nur so gut wie das kuratierte Wissen dahinter. Ein kleiner, gepflegter Bestand schlägt das offene Netz, weil ihn jemand für gut befunden hat.
Schritt 4 von 9

Pass 1: Der Text

Schritt 3 – 3.000 Wörter entstehen gegen ein hartes Schema, und eine Maschine prüft, bevor irgendetwas Geld kostet.

Die Schreibmechanik des Automaten mitten auf einer Seite, die Buchstabenwalzen drehen sich

Struktur ist nicht verhandelbar

Der Text entsteht nicht als freier Fließtext, sondern als JSON gegen ein Zod-Schema: elf erlaubte Block-Typen mit Pflichtfeldern, als discriminated union definiert. Ein Block, der dem Schema nicht entspricht, ist kein Stilproblem, sondern ein Build-Fehler. Dazu kommen die Didaktikregeln aus dem Skill: sechs bis acht Steps, eine Übung pro Content-Step, nummerierte Takeaways, eine Ton-Sperrliste gegen erfundenes Storytelling und Dramatik-Floskeln.

Das Schema, gegen das jeder Text entsteht (content.config.ts, Auszug)
export const lessonBlockSchema = z.discriminatedUnion('type', [
  z.object({ type: z.literal('text'), content: z.string() }),
  z.object({ type: z.literal('heading'),
             level: z.enum(['h2', 'h3']), text: z.string() }),
  z.object({ type: z.literal('code'), label: z.string(),
             content: z.string(), language: z.string().optional() }),
  z.object({ type: z.literal('callout'),
             variant: z.enum(['tip', 'warn', 'info']),
             icon: z.string().optional(), content: z.string() }),
  // … exercise, takeaway, table, image, list,
  //   exercise-cta, cta-bridge: elf Typen insgesamt
]);

Das Schema hat drei Aufgaben zugleich. Es steuert das server-seitige Rendering, jeder Block-Typ hat genau eine Komponente. Es macht Review adressierbar, weil jeder Block über Step- und Block-Index eine Koordinate hat. Und es trägt das Chat-Grounding, weil derselbe JSON-Inhalt später den Frag-KI-Chat versorgt. Am Ende von Pass 1 laufen astro check und der Production-Build. Erst wenn beide grün sind, beginnt der teure Teil: die Bilder.

Die Ton-Sperrliste: ein Linter für Sprache

❌ Verboten✅ Stattdessen
Fiktive Zitate oder Dialoge als AufhängerSachverhalt direkt benennen
Dramatik-Fragmente als Punch-Closer („Nur einen Autor.“)Vollständiger Satz mit Begründung
Symmetrische Schlusspaare („Fang nicht mit X an. Fang mit Y an.“)Eine klare Empfehlung in einem Satz
Stakkato-Aufzählungen als RhythmusmittelAusgeführte Aufzählung mit Einordnung

Jede Zeile dieser Tabelle ist wörtlich aus Review-Korrekturen destilliert und steht im Skill. Sie wirkt wie ein Linter für Ton: pro Text nicht verhandelbar, änderbar nur an einer Stelle, gültig für jede künftige Produktion. Genau das unterscheidet eine Stilregel im System von einer Stilbitte im Prompt.

🏗️
Die Vorarbeit dahinter: Das Schema ist Produktdesign, nicht Technik-Deko. Elf Block-Typen sind der Stand nach über 50 produzierten Lessons: Jeder Typ existiert, weil ein Inhalt ihn gebraucht hat, keiner wurde auf Vorrat gebaut. Die Ton-Sperrliste wiederum ist wörtlich aus Review-Korrekturen destilliert.
Übung: Dein Format als Schema

Aufgabe: Mach aus deinem Content-Format eine prüfbare Struktur.

  1. Zerlege dein Format (Newsletter, Artikel, Kursmodul) in seine fünf bis acht wiederkehrenden Bausteine.
  2. Notiere pro Baustein die Pflichtangaben, zum Beispiel: Zwischentitel hat maximal acht Wörter, jedes Beispiel hat eine Quelle.
  3. Formuliere die drei Regeln, deren Verletzung eine Veröffentlichung stoppen soll, nicht nur stören.

Zeitaufwand: ~20 Minuten

Takeaway
Regel 3: Gib dem System ein hartes Schema statt einer weichen Formatbitte. Was die Struktur verletzt, bricht den Build, nicht erst die Veröffentlichung.
Schritt 5 von 9

Pass 2: Die Bilder

Schritt 4 – Erprobte Modell-Zuordnung, ein Leitmotiv pro Lesson und eine Zahl, die entscheidet, ob ein Bild bleibt.

Ein zweites Werk des Automaten mit winzigen Pinseln und Farbrädern bemalt kleine Bildtafeln

Modellwahl ist Vorarbeit, keine Laufzeit-Entscheidung

In Pass 2 entstehen die Bilder, für eine Lesson dieser Größe rund ein Dutzend aus drei verschiedenen Modellen. Welches Modell welche Bildklasse übernimmt, steht vorher fest, dokumentiert und begründet im Skill: Step-Header über die Gemini API (trifft den warmen, gegenständlichen Hausstil), Cover über nano_banana_2 per Higgsfield-MCP (Stillleben mit sauberem Licht), deutsch beschriftete Schaubilder über gpt_image_2 (das einzige erprobte Modell, das Umlaute zuverlässig rendert). Jede Lesson hat zudem ein Leitmotiv, das sich durch alle Header zieht. In dieser Lesson ist es ein historischer Schreibautomat: eine Maschine, die auf Knopfdruck schreibt, mit offenem Räderwerk.

Echte Messung nach der Generierung (sharp, Terminal-Output)
 32 cover.jpg
 71 header-audio.jpg
 47 header-bilder.jpg
 34 header-gates.jpg
 46 header-intro.jpg
 71 header-pipeline.jpg
 46 header-regelwerk.jpg
 38 header-summary.jpg
 41 header-zwei-welten.jpg
# Zielband: Cover 25–45, Header 35–70
# Ausreißer werden mit angepasstem Licht-Prompt neu generiert

Die Messlatte ist wörtlich gemeint: Nach der Generierung misst ein sharp-Skript die mittlere Helligkeit jeder Datei gegen ein Zielband. Aus „wirkt zu dunkel“ wird eine Zahl. In einer vorangegangenen Produktion lag die erste Header-Serie bei 71 bis 102, also zu hell. Die Prompts bekamen Dunkel-Anker, sieben Header wurden neu generiert, und die Erkenntnis wanderte als Regel in die Skill-Doku. Beim nächsten Durchlauf, nämlich diesem hier, standen die Anker von Anfang an im Prompt. So lernt das System zwischen zwei Produktionen, ohne dass ein Modell trainiert wird.

Schaubild: die Mess-Schleife der Bildgenerierung – generieren, messen, Zielband prüfen, bei Bedarf Prompt schärfen
Ein vollständiger Bild-Prompt aus dieser Lesson (Header, Step 1)
A cinematic wide shot of a single polished brass lever being
flipped by a fingertip at the edge of the frame, behind it a tall
wall of stacked brass cam barrels and interlocking gears just
starting to move, at night, one warm workshop lamp as the only
key light illuminating the lever and the nearest cams clearly
while the mechanism recedes into deep shadow, no daylight,
no windows, soft teal-green rim light on the gear teeth, sense of
a large machine awakening, shallow depth of field, no text,
no letters, editorial film still, dark background
🏗️
Die Vorarbeit dahinter: Die Modell-Zuordnung ist erprobt, nicht gegoogelt. Ein Location-Modell wurde getestet und verworfen, weil es zu düster geriet. Das Umlaut-Problem deutscher Diagramme kostete echte Fehlversuche, bis gpt_image_2 als einziges verlässliches Modell feststand. Die Helligkeitsbänder wurden am Bestand von über 50 Covern kalibriert. Dieses Wissen füllt heute eine Skill-Datei mit 2.900 Wörtern.
Übung: Dein Modell-Protokoll

Aufgabe: Triff deine Bild-Entscheidungen einmal, statt jedes Mal neu.

  1. Nimm zwei wiederkehrende Bildaufgaben aus deinem Content, zum Beispiel Titelbild und Diagramm.
  2. Teste pro Aufgabe zwei Modelle mit identischem Prompt und notiere das Ergebnis nebeneinander.
  3. Halte fest: Welches Modell übernimmt künftig welche Aufgabe, und an welchem messbaren Kriterium erkennst du einen Ausreißer?

Zeitaufwand: ~30 Minuten

Takeaway
Regel 4: Triff Modell-Entscheidungen einmal, dokumentiert und begründet, statt in jedem Einzelfall neu. Und ersetze Geschmacksurteile durch Zahlen mit Zielband.
Schritt 6 von 9

Multimodalität

Schritt 5 – Aus einer Quelldatei werden vier Ausspielungen: Text, Bild, Audio und ein geerdeter Chat.

Am Schreibautomaten sind eine Musikwalze mit Klangkamm und ein Grammophon-Trichter angebaut

Eine Quelle, vier Ausspielungen

Die Fabrik produziert nicht nur Text. Blog-Artikel bekommen eine Audio-Version: 400 bis 550 Wörter, dritte Person, eine eigenständige Zusammenfassung statt eines Vorlesetexts, gesprochen von gemini-2.5-flash-preview-tts mit der Stimme Fenrir und beim MP3-Export per ID3-Tag maschinenlesbar als KI-Stimme gekennzeichnet, wie es der EU AI Act in Artikel 50 verlangt. Das Vorschaubild für soziale Netzwerke rendert ein Skript per Playwright/Chromium aus einer HTML-Vorlage, bewusst ohne Bildmodell, weil eine deterministische Aufgabe deterministischen Code verdient. Und jede Lesson speist einen Chat.

Wie der Chat pro Frage zusammengebaut wird (Struktur, real)
System-Prompt = House-Prompt         Ton, Grounding-Disziplin
              + context der Lesson   Wissen, Beispiele, Irrtümer
              + alle Steps           verdichtet, max. 14.000 Zeichen
              + aktueller Step       Fokus, max. 3.000 Zeichen

// Kürzungen sichtbar markiert: '…[gekürzt]', nie still
// Modell: claude-haiku-4.5 über das Vercel AI Gateway
// Schutz: Rate-Limit vor teurer Arbeit, max. 4.000 Zeichen/Frage
AusspielungQuelleWerkzeugBesonderheit
Lesson-Seitelesson.jsonAstro SSRein Renderer pro Block-Typ, statisch ausgeliefert
Frag-KI-Chatcontext-Block derselben DateiAI SDK + AI Gatewayserver-only, erscheint nie im Client-HTML
Audio-VersionBlog-ArtikelGemini TTS + ffmpegeigenständige Zusammenfassung, ID3-Kennzeichnung
OG-VorschaubildTitel + Brand-TemplatePlaywright/Chromiumdeterministisch gerendert, ohne Bildmodell

Der entscheidende Punkt ist die Quelle: Alle Ausspielungen hängen an derselben Datei. Ändert sich die Lesson, ändert sich das Chat-Wissen mit. Das Audio entsteht aus dem Artikel, das Vorschaubild aus dessen Titel. Es gibt keinen zweiten Ort, der veralten kann, und keinen Abgleich, den jemand vergessen könnte.

🏗️
Die Vorarbeit dahinter: Jede Ausspielung war ein eigenes Bauprojekt. Die TTS-Pipeline brauchte einen Truncation-Guard, weil die API gelegentlich abgeschnittenes Audio als Erfolg meldet. Das OG-Template musste das Brand-Design exakt treffen. Die Chat-Route brauchte Zeichenbudgets, Rate-Limit und die Entscheidung, den Lesson-Kontext nie ins Client-HTML zu geben. Gebaut je einmal, benutzt bei jedem Stück.
Übung: Deine zweite Ausspielung

Aufgabe: Definiere ein abgeleitetes Format für deinen Content, bevor du es baust.

  1. Wähle eine Ausspielung mit echtem Mehrwert für deine Zielgruppe: Audio, Zusammenfassung, Social-Auszug, FAQ.
  2. Lege die Quelle fest: Aus welcher Stammdatei entsteht sie, und was passiert bei Änderungen am Original?
  3. Notiere ihre Regeln (Länge, Perspektive, Ton) und, falls KI-generiert, den automatischen Kennzeichnungs-Schritt.

Zeitaufwand: ~15 Minuten

Takeaway
Regel 5: Multimodalität heißt eine Quelldatei mit mehreren Ausspielungen, jede mit eigener, einmal gebauter Pipeline. Es darf keinen zweiten Ort geben, der veralten kann.
Schritt 7 von 9

Review und Deploy

Schritt 6 – Vier menschliche Berührpunkte, ein klickbares Review und ein Deployment, das an einem einzigen Kommando hängt.

Eine menschliche Hand prüft mit Lupe den beschriebenen Bogen, daneben wartet ein Messinghebel für die Freigabe

Der Mensch sitzt an vier Stellen, nicht überall

Über die gesamte Produktion verteilt gibt es genau vier menschliche Berührpunkte: den Auftrag, die Plan-Freigabe, das Review und das Deploy-Go. Alles dazwischen läuft ohne Eingriff. Das ist keine Nebensache, sondern das Design: Der Mensch wird dort eingesetzt, wo sein Urteil unersetzlich ist, und nirgendwo sonst.

Schaubild: Zeitstrahl einer Produktion mit vier hervorgehobenen menschlichen Berührpunkten

Das Review ist klickbar statt mündlich: Jede Lesson lässt sich mit dem URL-Zusatz ?review=true öffnen, jeder Block wird anklickbar, jeder Kommentar landet mit Koordinaten in einer JSON-Datei, die der Agent direkt liest. Ein echtes Beispiel samt Wirkung:

Echter Review-Kommentar und seine Wirkung
{
  "stepIndex": 2,
  "blockIndex": 3,
  "blockType": "callout",
  "comment": "Können wir hier Erstens bis Drittens auch als
              Liste darstellen? Dann wird das Format klarer."
}

// Wirkung: Der Agent fand den Block über die Koordinate
// und baute den Callout in eine Liste um.
// Verallgemeinerbares wandert zusätzlich ins Memory.

Dann der zweite Prompt. „Commit und Push“ ist bewusst das einzige Kommando, das veröffentlicht. Dahinter läuft die Deploy-Kette: eine Checkliste prüft Build, Typen, Draft-Status, Secrets und tote Links, der Push auf den Hauptbranch stößt bei Vercel automatisch Build und Deployment an, jede Änderung wird ein eigenes, rückrollbares Deployment. Der Agent selbst darf diesen Push nie ausführen, das steht als hartes Verbot in der Kontext-Datei. Human-in-the-Loop heißt hier: Schreibrecht beim System, Veröffentlichungsrecht beim Menschen.

Die sechs Checks vor dem Go

  1. Build: der Production-Build läuft fehlerfrei durch
  2. Typen: der Type-Check meldet null Errors
  3. Drafts: nichts geht versehentlich mit falschem Status live
  4. Secrets: keine API-Keys im Quellcode, nur Umgebungsvariablen
  5. Offene Enden: keine TODO- oder FIXME-Marker in geänderten Dateien
  6. Links: interne Verweise zeigen auf existierende Routen
🏗️
Die Vorarbeit dahinter: Das Review-Layer ist selbst gebaute Infrastruktur, ein Vite-Plugin, das nur im Dev-Server existiert und in Produktion gar nicht ausgeliefert wird. Die Deploy-Kette ist Konfiguration: Git-Integration, Checks, Rollback-Fähigkeit. Beides zusammen macht aus „Feedback geben und live stellen“ einen Vorgang von Minuten.
Übung: Deine vier Berührpunkte

Aufgabe: Entwirf die menschliche Seite deiner Automatisierung.

  1. Benenne die maximal vier Punkte deines Prozesses, an denen dein Urteil unersetzlich ist.
  2. Lege für jeden fest, wie das Feedback adressierbar wird: Abschnittsnummer, Folie, Zeitstempel, Block-Koordinate.
  3. Bestimme das eine Kommando, das bei dir veröffentlicht, und wer es aussprechen darf. Alles andere bekommt einen automatischen Weg.

Zeitaufwand: ~15 Minuten

Takeaway
Regel 6: Reduziere menschliche Eingriffe auf wenige, scharfe Punkte: Richtung, Freigabe, Urteil, Veröffentlichung. Automatisiere die Strecke, nie das Urteil.
Schritt 8 von 9

Die Zweitverwertung

Schritt 7 – Flipbooks, Podcasts, Lernpfade und Teaser: wie aus dem Bestand neue Formate mit eigenen Schnitten entstehen.

Die Sortierstation des Automaten verteilt beschriebene Bögen auf Stapel und bindet einen davon zu einem kleinen Heft

Nach dem Deployment ist der Inhalt Rohstoff

Mit dem Go aus Schritt 6 endet die Produktion, aber nicht die Verwertung. Der Ressourcen-Bereich der Plattform zieht aus dem Lesson-Bestand neue Formate mit eigenen Schnitten. Flipbooks bündeln Inhalte aus mehreren Lessons zu kompakten Heften zum Durchblättern, aktuell fünf Stück, jedes mit einem eigenen Themencluster quer durch die Disziplinen. Podcasts tun dasselbe als Audio-Dialog mit zwei Stimmen, und zwar mit einer bewussten Redaktionsregel: Sie schneiden andere Cluster als die Flipbooks. Zweitverwertung heißt hier neu kombinieren, nicht wiederholen.

Schaubild: der Lesson-Bestand speist Flipbooks, Podcasts, Lernpfade und LinkedIn, von dort fließen Ideen zurück in den Vault

Auch hier gilt das Muster der ganzen Fabrik: einmal gebaute Pipelines, pro Stück nur noch Betrieb. Die Podcast-Produktion läuft über ein eigenes Skript (pnpm podcast:audio): Multi-Speaker-TTS mit zwei Stimmen, gerendert pro Gesprächsteil einzeln, weil die Stimmqualität über längere Strecken driftet, mit Pausen zusammengefügt und als MP3 exportiert. Danach schreibt das Skript Laufzeit und Kapitelmarken in die Episoden-Datei zurück, damit Player und Karten echte Zeiten zeigen. Jede Episode dokumentiert ihre Quellen selbst:

Podcast-Episode: Quellen und Rückschreibung (data.json, real)
{
  "slug": "vom-prompt-zum-loop",
  "sourceLessons": [{"slug":"vom-prompt-zum-loop","title":"Vom Prompt zum Loop – Die vier Engineering-Disziplinen"},{"slug":"agent-design-space","title":"KI-Agenten verstehen – Der Agent-Design-Space"},{"slug":"prompt-baukasten","title":"Der Prompt-Baukasten – 5 Bausteine für bessere KI-Ergebnisse"}],
  "parts": 4,
  "durationSeconds": 333
}
// durationSeconds und Kapitelmarken schreibt das TTS-Skript
// nach der Generierung selbst in diese Datei zurueck.

Zwei Checks, bevor die Produktion wirklich endet

  1. Lernpfad-Zuordnung: Die Plattform führt sieben geführte Lernpfade als eigene Dateien mit Ziel, Rolle, Lernergebnissen und einer geordneten Lesson-Liste. Jede neue Lesson wird geprüft: Gehört sie in einen Pfad, an welche Stelle, und braucht sie einen Vorgänger? Diese Lesson ist Kandidatin für den Pfad „Mit KI bauen“.
  2. LinkedIn-Teaser: Noch während der Produktion werden Teaser-Ideen vorgedacht und als Content-Idee in den Vault zurückgeschrieben, dorthin, wo der LinkedIn-Betrieb plant und terminiert. Der Kreis schließt sich: Die Fabrik liest nicht nur aus der Autorität, sie schreibt in sie zurück.
🏗️
Die Vorarbeit dahinter: Vier weitere einmal gebaute Bausteine: ein Flipbook-Skill samt Viewer im Flat-Infografik-Stil, die Podcast-Pipeline mit zentraler Stimmen-Regie pro Reihe, die Lernpfad-Collection mit eigenem Konzeptdokument und der LinkedIn-Betrieb im Vault mit angebundenem Scheduling. Jeder davon zieht aus jedem neuen Stück zusätzliche Reichweite, ohne neue Produktionskosten.
Übung: Deine Zweitverwertungs-Matrix

Aufgabe: Plane die Verwertung, bevor du neues Material produzierst.

  1. Liste deine letzten fünf Inhalte in einer Spalte.
  2. Definiere zwei Zweitformate (etwa Sammel-PDF, Audio-Serie, Themenseite) und ordne jedem Inhalte zu, aber mit unterschiedlichen Schnitten: Kein Cluster darf in beiden Formaten identisch sein.
  3. Lege deinen Rückschreib-Ort fest: Wo landen Verwertungs-Ideen, damit sie beim Planen wieder auftauchen statt im Chatverlauf zu verschwinden?

Zeitaufwand: ~20 Minuten

Takeaway
Regel 7: Plane die Zweitverwertung als eigene Station: neue Cluster aus bestehendem Bestand, bewusst unterschiedliche Schnitte pro Format, und jede Idee fließt an den Ort zurück, an dem geplant wird.
Schritt 9 von 9

Die Rechnung

Was die Fabrik einmal gekostet hat, was jedes Stück kostet und was davon auf dein Setup übertragbar ist.

Die geöffnete Rückwand des Schreibautomaten zeigt das vollständige Räderwerk, Werkzeug liegt daneben

Der Zeitstrahl aus Schritt 6 hat eine ökonomische Pointe: Alles Teure passiert genau einmal, alles Häufige ist günstig. Die zwei Prompts vom Anfang sind kein Trick, sondern das Ergebnis dieser Verteilung. Dieselbe Rechnung, als Tabelle:

Einmal gebaut (Fundament)Bei jedem Stück (Betrieb)
Vault aufbauen und Wissen kuratieren, über JahreRecherche im eigenen Bestand, Minuten
Kontext-Dateien schreiben, 32 Memory-Notizen aus Korrekturen destillierenladen automatisch bei jedem Auftrag
Schema entwerfen, Skill mit Didaktikregeln und Ton-Sperrliste füllenText entsteht schemakonform im ersten Anlauf
Bildmodelle erproben, Zielbänder am Bestand kalibrierenBilder generieren und messen, Ausreißer fallen automatisch auf
TTS-, Vorschaubild- und Chat-Pipeline bauen und härtenabgeleitete Formate pro Stück per Skript
Review-Layer und Deploy-Kette einrichtenzwei Prompts, eine Plan-Freigabe, ein paar Review-Klicks
Flipbook-Skill, Podcast-Pipeline, Lernpfade und LinkedIn-Betrieb aufsetzenneue Cluster und Teaser aus dem Bestand, pro Format Minuten bis Stunden

Die sieben Regeln der Strecke, gesammelt:

  1. Regel 1: Ein kurzer Prompt ist das Ergebnis eines langen Kontexts. Investiere in die Dateien, die automatisch mitladen.
  2. Regel 2: Automatisierung ist nur so gut wie das kuratierte Wissen dahinter.
  3. Regel 3: Gib dem System ein hartes Schema statt einer weichen Formatbitte.
  4. Regel 4: Triff Modell-Entscheidungen einmal, dokumentiert und begründet, und ersetze Geschmack durch Zahlen mit Zielband.
  5. Regel 5: Multimodalität heißt eine Quelldatei mit mehreren Ausspielungen, jede mit eigener, einmal gebauter Pipeline.
  6. Regel 6: Reduziere menschliche Eingriffe auf wenige, scharfe Punkte und automatisiere die Strecke, nie das Urteil.
  7. Regel 7: Plane die Zweitverwertung als eigene Station: neue Cluster, unterschiedliche Schnitte, Ideen fließen an den Planungsort zurück.

Zum Schluss die Einordnung, die diese Lesson auch zu einem Referenzstück macht: Diese Fabrik ist ein Ein-Personen-Projekt und produziert Lessons, Blog-Artikel, Audio-Versionen, Bilder und deren Deployment als einen durchgehenden, qualitätsgesicherten Prozess. Die Bausteine zum Selberbauen liegen in Agent Skills bauen und Agent-ready Codebase.

Takeaway
Vollautomatisch heißt nicht menschenleer. Zwei Prompts genügen, weil Monate an Kuration, Regeln und Pipelines dahinterstehen. Wer die zwei Prompts will, baut zuerst den Eisberg darunter.
Rico Loschke

Rico Loschke

KI-Stratege & Übersetzer zwischen Tech und Business

15+ Jahre Digitalisierung, 4+ Jahre KI. Ich übersetze zwischen Technologie und Unternehmensstrategie, berate und trainiere Organisationen auf ihrem KI-Weg. Hier teile ich, was ich dabei lerne.

loschke.ai.Visionen, Konzepte, Meinungen →
unlearn.how

Diese Lessons gibt es auch als Team-Training.

Workshops, Seminare und Begleitung für Unternehmen, die KI nicht nur verstehen, sondern anwenden wollen.

Mehr erfahren →