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Datenanalyse mit KI – vom Export zur Erkenntnis

Schritt 1 von 8

Einführung

In fast jedem Unternehmen liegen Exporte, die nie jemand auswertet. KI senkt die Werkzeughürde. Was bleibt, ist das Vorgehen. Genau das lernst du hier.

Werkbank mit Messwerkzeugen und Lochkarten

Ein Auftragsexport aus dem ERP, eine Auswertung aus dem Ticketsystem, die Umsatzliste aus dem Shop: Solche Dateien entstehen jeden Monat, und die meisten werden nie angesehen. An fehlenden Fragen liegt das selten. Zwischen der Datei und der Antwort stand bisher ein Werkzeug, das jemand beherrschen musste: Pivot-Tabellen, Formeln, im Zweifel ein BI-Tool samt Dienstleister.

Diese Hürde ist gefallen. Moderne KI-Werkzeuge nehmen eine Tabelle entgegen, schreiben den Auswertungscode selbst und liefern Diagramme dazu. Was nicht gefallen ist: die Notwendigkeit, richtig vorzugehen. Wer der KI einen rohen Export hinwirft und "analysier das mal" schreibt, bekommt eine Antwort. Nur steht deren Qualität auf demselben Fundament wie vorher in Excel: Verstehst du deine Daten, stellst du die richtige Frage, und prüfst du das Ergebnis?

Der Workflow dieser Lesson

SchrittFrageErgebnis
1 – Code statt KopfrechnenWoher kommt die Zahl?Ein Werkzeug, das rechnet statt rät
2 – Daten kennenlernenWas liegt hier eigentlich vor?Profil und Datenwörterbuch
3 – BereinigenWas verzerrt das Ergebnis?Belastbare Datengrundlage mit Änderungsprotokoll
4 – Fragen stellenWas will ich wirklich wissen?Analysefragen statt Bauchgefühl
5 – Visualisieren & DashboardsWie zeige ich es?Das passende Diagramm, bei Bedarf ein Dashboard
6 – Ergebnisse prüfenKann ich der Zahl trauen?Vier Proben vor der Weitergabe
💡
Was du brauchst: ein KI-Werkzeug, das Dateien annimmt und Code ausführen kann (mehr dazu in Schritt 1). Einen Beispieldatensatz bekommst du in Schritt 2 direkt in der Lesson. Programmierkenntnisse brauchst du nicht.

Diese Lesson behandelt die Auswertung vorhandener, strukturierter Daten: Tabellen mit Zeilen und Spalten. Wie du unstrukturiertes Wissen wie Dokumente und Ablagen für KI aufbereitest, ist ein eigenes Thema und steht in der Lesson Content ist nicht Context.

Schritt 2 von 8

Code statt Kopfrechnen

Schritt 1 – Warum du ein Sprachmodell nie rechnen lässt und woran du erkennst, ob dein Werkzeug wirklich rechnet.

Rechenmaschine neben einem Notizbuch

Ein Sprachmodell sagt das wahrscheinlichste nächste Token vorher. Das gilt auch dann, wenn in deinem Prompt eine Tabelle steht und du nach dem Durchschnitt fragst. Das Modell liest die Zahlen als Text und produziert eine Antwort, die sprachlich plausibel klingt. Ob sie stimmt, ist Zufall. Bei sechs Zeilen geht das oft gut, bei sechshundert praktisch nie. Warum das so ist, erklärt die Lesson Generative KI verstehen im Detail.

Zwei Wege zu einer Zahl

Gute Analyse-Werkzeuge lösen das Problem, indem sie die Arbeit aufteilen. Das Sprachmodell versteht deine Frage und schreibt daraus ein kleines Programm, meist in Python. Dieses Programm läuft in einer abgesicherten Umgebung über deine komplette Datei, und erst dessen Ergebnis kommt zurück in die Antwort. Die KI formuliert. Der Code rechnet.

Zahl aus dem SprachmodellZahl aus ausgeführtem Code
Wie sie entstehtVorhersage des plausibelsten TextesBerechnung über alle Zeilen der Datei
VerlässlichkeitZufall, sinkt mit der DatenmengeSo gut wie der Code und die Daten
Nachvollziehbar?Nein, die Herleitung ist nicht einsehbarJa, der Code lässt sich lesen und erneut ausführen
⚠️
Der häufigste Fehler: eine Tabelle in den Chat kopieren und direkt nach Summe, Durchschnitt oder dem größten Kunden fragen. Sieht nach Datenanalyse aus, ist aber Texterzeugung über Zahlen. Der Fehler fällt selten auf, weil die Antwort nie unsicher klingt.

Woran du erkennst, dass gerechnet wird

  • Das Werkzeug nimmt Dateien an (CSV, Excel), statt dass du Zahlen in den Prompt kopierst.
  • Du siehst, dass Code läuft: ein einsehbarer Code-Block, eine Anzeige wie "Analyse läuft" oder ein Ausführungsprotokoll.
  • Das Ergebnis ist reproduzierbar: dieselbe Frage auf dieselbe Datei liefert dieselbe Zahl.
  • Du kannst nachfragen: "Zeig mir den Code" oder "Wie bist du auf die Zahl gekommen?" liefert eine konkrete, prüfbare Antwort.
💡
Stand August 2026: Code-Ausführung für Datenanalyse steckt in allen großen Chat-Werkzeugen, etwa in ChatGPT (Datenanalyse-Modus), Claude (Analyse-Werkzeug und Artefakte) und Gemini, außerdem in Copilot für Excel und in Notebook-Werkzeugen für Fortgeschrittene. Die Namen ändern sich, das Kriterium bleibt: Dateien annehmen, Code ausführen, Code zeigen.
Übung: Die Gegenprobe

Aufgabe: Kopiere diese sechs Werte in dein KI-Werkzeug: 1440, 1920, 960, 1650, 980, 2200

  1. Frage zuerst: "Was ist der Durchschnitt? Antworte direkt, ohne Code auszuführen."
  2. Frage danach: "Berechne den Durchschnitt mit Code und zeig mir den Code."
  3. Vergleiche beide Antworten und rechne selbst nach (es sind 1.525).

Bei sechs Werten treffen viele Modelle auch die erste Variante. Der Punkt der Übung: Du siehst den Unterschied im Vorgehen, bevor es bei 600 Zeilen darauf ankommt. Zeitaufwand: ~5 Minuten

Takeaway
Regel #1: Lass ein Sprachmodell nie kopfrechnen. Jede Zahl, auf die du dich stützt, kommt aus ausgeführtem Code über die komplette Datei, nicht aus einer plausibel klingenden Textantwort.
Schritt 3 von 8

Daten kennenlernen

Schritt 2 – Wie du dir und der KI einen Überblick verschaffst, bevor die erste Auswertung läuft.

Karteikasten mit geöffneter Schublade und Lupe

Die Versuchung ist groß, sofort Fragen zu stellen. Der bessere erste Schritt ist ein Profil: Was liegt hier eigentlich vor? Denn jede Auswertung übernimmt stillschweigend Annahmen über die Daten, und falsche Annahmen produzieren falsche Zahlen, ganz ohne Rechenfehler.

Die Beispieldaten dieser Lesson

Alle Übungen ab hier arbeiten mit einem Auftragsexport der Seltrano GmbH, eines erfundenen mittelständischen Herstellers. Die Datei sieht harmlos aus, enthält aber die typischen Macken echter Exporte. Einige findest du vielleicht schon beim Lesen.

auftragsexport-maerz.csv
bestell_id;datum;region;vertriebskanal;produktlinie;menge;umsatz_eur;status
S-1001;2026-03-02;Nord;Online;Standard;12;1440;abgeschlossen
S-1002;2026-03-03;Süd;Aussendienst;Premium;4;1920;abgeschlossen
S-1003;2026-03-04;West;Online;Standard;8;960;abgeschlossen
S-1004;04.03.2026;Ost;Haendler;Standard;15;1650;abgeschlossen
S-1005;2026-03-05;Sued;Online;Premium;2;980;abgeschlossen
S-1006;2026-03-08;Nord;Haendler;Standard;20;2200;abgeschlossen
S-1006;2026-03-08;Nord;Haendler;Standard;20;2200;abgeschlossen
S-1007;2026-03-09;West;Online;Premium;3;1470;storniert
S-1008;2026-03-10;Süd;Aussendienst;Standard;;780;abgeschlossen
S-1009;2026-03-11;Ost;Online;Standard;10;1150;abgeschlossen
S-1010;2026-03-12;Nord;Haendler;Sonderserie;60;48900;abgeschlossen
S-1011;2026-03-15;West;Online;Standard;9;1080;abgeschlossen
S-1012;2026-03-16;Süd;Online;Premium;5;2450;abgeschlossen
S-1013;2026-03-17;Nord;Online;Standard;7;840;offen
S-1014;2026-03-18;Ost;Aussendienst;Premium;6;2880;abgeschlossen
S-1015;2026-03-19;West;Haendler;Standard;14;1540;abgeschlossen
S-1016;2026-03-22;Süd;Online;Standard;11;1320;abgeschlossen
S-1017;2026-03-23;Nord;Online;Premium;4;1960;abgeschlossen
Mitmachen: Kopiere den Block in dein KI-Werkzeug (als Text oder als gespeicherte .csv-Datei). Alle Übungen der folgenden Schritte bauen darauf auf. Alternativ nimmst du einen eigenen Export, dann gilt die Warnung weiter unten.

Das Profil: fünf Fragen vor der ersten Auswertung

  1. Was ist eine Zeile? Ein Auftrag? Eine Position? Ein Kunde? Die Antwort entscheidet, was Summen und Durchschnitte überhaupt bedeuten.
  2. Welche Spalten gibt es, und was bedeuten sie? Inklusive Einheiten: Ist umsatz_eur brutto oder netto?
  3. Welcher Zeitraum ist abgedeckt, und ist er vollständig? Fehlende Wochen verzerren jeden Trend.
  4. Welche Werte kommen je Spalte vor? Hier fallen Schreibvarianten und Format-Ausreißer auf.
  5. Wo fehlen Werte? Und gibt es Zeilen, die doppelt vorkommen?
Prompt
Hier ist ein Auftragsexport. Erstelle mit Code ein Profil, bevor wir
irgendetwas auswerten:
- Anzahl Zeilen und Spalten
- pro Spalte: Datentyp, Beispielwerte, Anzahl unterschiedlicher Werte
- pro Spalte: Anzahl fehlender Werte
- doppelte Zeilen und doppelte bestell_id
- auffällige Formate (z. B. uneinheitliche Datumsformate oder Schreibweisen)
Gib das Ergebnis als kompakte Tabelle aus und liste die Auffälligkeiten
separat auf. Bewerte noch nichts, zähle nur.

Die semantische Lücke: dein Datenwörterbuch

Das Profil beantwortet, was in der Datei steht. Es beantwortet nicht, was die Inhalte bedeuten. Die KI kennt weder eure Spaltenkürzel noch eure Geschäftslogik: Sie weiß nicht, dass "Sonderserie" ein projektbezogenes Einzelgeschäft ist oder dass "offen" bedeutet, dass noch keine Rechnung existiert. Diese Lücke schließt ein Datenwörterbuch: wenige Zeilen, die du jeder Analyse-Session mitgibst. Das ist dasselbe Prinzip wie in der Lesson Context Management: Das Modell kann nur mit dem Wissen arbeiten, das du ihm bereitstellst.

Datenwörterbuch (Beispiel)
Eine Zeile = ein Auftrag (nicht eine Position).
umsatz_eur: Nettoumsatz in Euro, ohne Versandkosten.
status: abgeschlossen = geliefert und fakturiert,
        offen = beauftragt, noch nicht fakturiert,
        storniert = zählt nicht als Umsatz.
produktlinie Sonderserie: projektbezogenes Einzelgeschäft,
        nicht Teil des Standardsortiments.
vertriebskanal: Online = Shop, Haendler = Fachhandel,
        Aussendienst = Direktvertrieb.
⚠️
Vor dem Upload eigener Daten: Ein Export verlässt mit dem Hochladen dein Haus. Prüfe vorher, ob personenbezogene Daten enthalten sind (Namen, E-Mail-Adressen, Kundennummern mit Personenbezug), und lass Spalten weg, die die Analyse nicht braucht. Was rechtlich gilt, steht in KI-Compliance-Basics. Und Vorsicht: Namen durch Kürzel zu ersetzen ist keine Anonymisierung, siehe diese FAQ.
Übung: Profil erstellen

Aufgabe: Gib der KI die Seltrano-Daten und den Profil-Prompt von oben.

  1. Lies das Profil und notiere mindestens drei Auffälligkeiten, ohne weiterzublättern.
  2. Schreibe ein Datenwörterbuch mit den drei Einträgen, die dir am wichtigsten erscheinen.

In Schritt 3 löst du auf, was in den Daten steckt. Zeitaufwand: ~10 Minuten

Takeaway
Regel #2: Keine Auswertung ohne Profil und Datenwörterbuch. Das Profil zeigt, was in der Datei steht. Das Wörterbuch sagt der KI, was es bedeutet.
Schritt 4 von 8

Bereinigen

Schritt 3 – Wie aus einem rohen Export eine belastbare Grundlage wird und warum Bereinigen Entscheiden heißt.

Sieb und sortierte Kleinteile auf einer Werkbank

Rohe Exporte enthalten fast immer dieselben vier Fehlerklassen. Der Seltrano-Export hat sie alle eingebaut:

FehlerklasseIm BeispielWirkung, wenn sie drin bleibt
DublettenS-1006 kommt zweimal vorUmsatz und Stückzahlen doppelt gezählt
Formatwechsel04.03.2026 statt 2026-03-04, "Sued" statt "Süd"Zeitreihen brechen, Regionen werden doppelt geführt
AusreißerS-1010: Sonderserie mit 48.900 €Ein Einzelfall dominiert jeden Durchschnitt
Lücken & Sonderfällefehlende Menge bei S-1008, Storno S-1007Kennzahlen mischen Dinge, die nicht zusammengehören

Bereinigen heißt entscheiden, nicht löschen

Keine dieser Korrekturen ist rein technisch. Ob der Storno rausfliegt, hängt von der Frage ab: Für den fakturierten Umsatz ja, für eine Stornoquoten-Analyse ist er der Kern. Ob der Großauftrag drinbleibt, ebenso: Für den Gesamtumsatz ja, für den typischen Auftragswert nein. Die KI erkennt die Kandidaten zuverlässig, aber die Entscheidung ist fachlich, und sie gehört zu dir. Deshalb arbeitest du mit expliziten Regeln und einer Protokollpflicht:

Prompt
Bereinige den Datensatz mit Code nach diesen Regeln:
1. Exakte Dubletten entfernen (gleiche bestell_id und identische Werte).
2. Datumsformate auf JJJJ-MM-TT vereinheitlichen.
3. Schreibvarianten in region zusammenführen (Sued -> Süd).
4. Stornierte Aufträge in eine separate Tabelle auslagern.
5. Die Produktlinie Sonderserie markieren, aber nicht löschen.
Erstelle ein Änderungsprotokoll: Welche Zeilen wurden entfernt,
geändert oder markiert, und warum? Gib außerdem die Zeilenzahl
vorher und nachher aus. Verändere nichts ohne Protokolleintrag.

Was die Bereinigung wert ist

Der Effekt lässt sich beziffern. Fragst du die rohen Daten nach dem durchschnittlichen Auftragswert, rechnet der Code brav über alle 18 Zeilen: rund 4.207 €. Nach der Bereinigung (ohne Dublette, ohne Storno, ohne Sonderserie) sind es rund 1.543 €. Die erste Zahl ist fast das Dreifache der zweiten, und beide kamen aus korrekt ausgeführtem Code. Der Unterschied liegt allein in der Datengrundlage.

💡
Der Abstand ist der Ertrag: Rechne wichtige Kennzahlen einmal roh und einmal bereinigt. Der Abstand zwischen beiden Zahlen zeigt dir, wie viel die Bereinigung dieser konkreten Auswertung gebracht hat, und ob sich mehr Sorgfalt lohnt.
Übung: Bereinigen mit Protokoll

Aufgabe: Führe die Bereinigung mit dem Prompt von oben durch.

  1. Prüfe das Änderungsprotokoll: Wurden genau die vier Fehlerklassen aus der Tabelle gefunden?
  2. Lass beide Durchschnitte berechnen (roh und bereinigt) und vergleiche mit den Zahlen im Text.
  3. Ändere eine Regel (z. B. Sonderserie einbeziehen) und beobachte, wie sich das Ergebnis verschiebt.

Zeitaufwand: ~10 Minuten

Takeaway
Regel #3: Bereinigen ist Entscheiden mit Protokoll. Du gibst die Regeln vor, die KI setzt sie um, und jede entfernte oder geänderte Zeile steht im Änderungsprotokoll.
Schritt 5 von 8

Fragen stellen

Schritt 4 – Warum die Qualität deiner Auswertung an der Frage hängt und wie du sie präzise machst.

Kompass auf dunklen Holzplanken

Die schwächste Stelle einer KI-Analyse ist selten die Technik. Es ist die Frage. "Wie läuft der Online-Kanal?" kann kein Code beantworten, weil nicht definiert ist, was "läuft" heißt: Umsatz? Stückzahl? Entwicklung? Im Vergleich wozu? Die KI wird trotzdem antworten und sich eine Interpretation aussuchen. Nur ist es dann ihre Interpretation, nicht deine Frage.

Die Übersetzung

Eine Analysefrage macht drei Dinge explizit, die in der Geschäftsfrage implizit stecken: die Kennzahl, den Vergleichsmaßstab und den Zeitraum.

GeschäftsfrageAnalysefrage
Wie läuft der Online-Kanal?Wie viel Nettoumsatz hat der Online-Kanal im März gemacht, verglichen mit Händler und Außendienst?
Lohnt sich Premium?Wie unterscheiden sich Standard und Premium im März bei Umsatz pro Auftrag und bei der Zahl der Aufträge?
Welche Region schwächelt?Welche Region hat im März den geringsten Umsatz, und liegt das an weniger Aufträgen oder an kleineren Aufträgen?

Drei Grundbewegungen

  • Segmentieren: das Ganze in Gruppen zerlegen (nach Region, Kanal, Produktlinie) und sehen, wo sich die Gruppen unterscheiden.
  • Vergleichen: zwei Gruppen oder zwei Zeiträume nebeneinanderstellen, immer mit derselben Kennzahl.
  • Trend: eine Kennzahl über die Zeit verfolgen, um Richtung und Brüche zu erkennen.

Der Rest ist Dialog. Die erste Antwort ist ein Startpunkt, kein Endergebnis: Du bohrst nach, lässt segmentieren, forderst den Vergleich ein. Das Muster kennst du aus Prompting fortgeschritten: iterativ arbeiten statt auf den einen perfekten Prompt zu hoffen.

⚠️
Korrelation ist keine Ursache: Wenn Premium-Aufträge häufiger im Süden auftauchen, heißt das nicht, dass die Region Premium-Käufe auslöst. Vielleicht sitzt dort schlicht der Außendienst, der Premium verkauft. Eine Auswertung zeigt Muster. Die Erklärung musst du prüfen, nicht die KI raten lassen.
Übung: Fragen übersetzen

Aufgabe: Arbeite mit den bereinigten Seltrano-Daten aus Schritt 3.

  1. Formuliere zwei eigene Geschäftsfragen und übersetze sie in Analysefragen (Kennzahl, Vergleich, Zeitraum).
  2. Lass beide von der KI mit Code beantworten.
  3. Bohre bei einer Antwort einmal nach: Lass nach Region oder Kanal segmentieren und prüfe, ob das Gesamtbild sich verändert.

Zeitaufwand: ~10 Minuten

Takeaway
Regel #4: Übersetze jede Geschäftsfrage in eine Analysefrage mit Kennzahl, Vergleich und Zeitraum. Sonst beantwortet die KI ihre eigene Interpretation deiner Frage.
Schritt 6 von 8

Visualisieren & Dashboards

Schritt 5 – Wann ein Diagramm im Chat reicht und wann sich ein kleines Dashboard lohnt.

Messinstrumente mit Zeigern an einer dunklen Wand

Ein Diagramm ist eine Behauptung: Es betont eine Aussage und blendet andere aus. Deshalb ist die Diagrammwahl keine Geschmacksfrage, sondern folgt aus dem, was du zeigen willst.

Du willst zeigenPassendes Diagramm
Vergleich zwischen GruppenBalkendiagramm
Entwicklung über die ZeitLiniendiagramm
Anteile am GanzenGestapelte Balken, Kreis nur bei zwei bis drei Kategorien
Verteilung und AusreißerPunktdiagramm oder Histogramm

In der Praxis heißt das: Du gibst der KI die Aussage vor, nicht den Diagrammtyp. "Zeig den Umsatzunterschied zwischen den drei Kanälen" führt fast immer zum richtigen Bild. "Mach mal ein Diagramm" führt zu irgendeinem.

Vom Einmal-Diagramm zum Dashboard

Das Kriterium für den nächsten Ausbauschritt ist die Frequenz der Frage. Eine Frage, die einmal auftaucht, beantwortest du im Chat und bist fertig. Eine Frage, die jeden Monat wiederkommt ("Wie liefen die Kanäle? Welche Region wächst?"), verdient ein kleines Dashboard: eine HTML-Seite oder Mini-App, die du per AI-Coding baust und in die du nur noch den neuen Export lädst. Was dafür nötig ist und wo deine Daten dabei liegen, behandeln Das mentale Modell und Acht Entscheidungen.

💡
Abgrenzung: Hier geht es um Dashboards über Geschäftsdaten. Die Qualität deiner KI-Workflows misst du anders, nämlich mit binären Testfällen statt mit Kennzahlen-Kacheln. Warum Skalen-Dashboards dort in die Irre führen, zeigt Messen statt raten.
Übung: Diagramm und Dashboard-Skizze

Aufgabe:

  1. Lass die KI aus den bereinigten Seltrano-Daten ein Diagramm bauen, das den Umsatz je Vertriebskanal zeigt. Gib die Aussage vor, nicht den Typ, und prüfe die Wahl gegen die Tabelle oben.
  2. Skizziere auf Papier ein Monats-Dashboard mit genau drei Anzeigen: Welche drei Kennzahlen würdest du jeden Monat sehen wollen, und als welcher Diagrammtyp?

Zeitaufwand: ~10 Minuten

Takeaway
Regel #5: Gib der KI die Aussage vor, nicht den Diagrammtyp. Und baue erst dann ein Dashboard, wenn dieselbe Frage regelmäßig wiederkommt.
Schritt 7 von 8

Ergebnisse prüfen

Schritt 6 – Woran du merkst, ob du den Zahlen trauen kannst, bevor sie in einer Präsentation landen.

Prüfstempel und Waage auf dunklem Holz

Code-Ausführung schließt Rechenfehler weitgehend aus. Sie schließt nicht aus, dass das Richtige falsch berechnet wurde: eine Spalte falsch interpretiert, ein Storno stillschweigend mitgezählt, ein Prozentwert ohne Bezugsgröße. Diese Fehler entstehen vor und nach dem Rechnen, und genau dort setzt die Prüfung an.

Vier Proben

  1. Summenprobe: Ergeben die Teilwerte das Ganze? Der Umsatz der drei Kanäle muss zusammen den Gesamtumsatz ergeben. Tut er es nicht, fehlt eine Kategorie oder eine wurde doppelt gezählt.
  2. Gegenrechnung: Rechne eine einzelne Zahl von Hand nach oder lass sie auf einem zweiten Weg berechnen (etwa über eine andere Gruppierung). Zwei Wege, ein Ergebnis.
  3. Bezugsgrößen-Check: Bei jedem Prozentwert: Prozent wovon, und wie viele Fälle stecken dahinter? "50 % Wachstum im Kanal Ost" kann zwei Aufträge bedeuten.
  4. Annahmen-Abfrage: Lass die KI offenlegen, was sie entschieden hat: ausgeschlossene Zeilen, Umgang mit Lücken, Interpretation unklarer Spalten.
Prompt
Bevor ich das Ergebnis weitergebe:
1. Liste alle Annahmen auf, die in dieser Auswertung stecken
   (ausgeschlossene Zeilen, Umgang mit fehlenden Werten,
   Interpretation von Spalten).
2. Mache die Summenprobe: Ergeben die Teilergebnisse das Gesamtergebnis?
3. Nenne für jeden Prozentwert die Bezugsgröße und die Fallzahl.
4. Was würde das Ergebnis wesentlich verändern, wenn ich eine
   Annahme anders treffe?
⚠️
Der Ja-Sager-Effekt: Wenn du ein Wunschergebnis andeutest ("Der Online-Kanal läuft doch gut, oder?"), neigt die KI dazu, es zu bestätigen und die Auswertung entsprechend zu rahmen. Stelle Prüffragen neutral. Wie du KI-Antworten generell gegenliest, vertieft KI-Output kritisch bewerten.
Übung: Die Prüfung am eigenen Ergebnis

Aufgabe: Nimm deine Auswertung aus Schritt 4.

  1. Stelle den Prüf-Prompt von oben und lies die Annahmenliste genau: Hättest du alle Annahmen selbst so getroffen?
  2. Mache die Summenprobe über die drei Vertriebskanäle.
  3. Zusatz: Sag der KI bewusst "Zähl die Stornos zum Umsatz dazu" und prüfe, ob die Annahmen-Abfrage diese Entscheidung danach sichtbar macht.

Zeitaufwand: ~10 Minuten

Takeaway
Regel #6: Vor der Weitergabe: Summenprobe, Gegenrechnung, Bezugsgrößen, Annahmen. Wer eine Zahl präsentiert, muss sagen können, was auf dem Weg dorthin entschieden wurde.
Schritt 8 von 8

Zusammenfassung

Sechs Regeln, ein Durchlauf mit echten Zahlen, und die Frage, wie deine Daten dauerhaft besser werden.

Aufgeräumte Werkbank mit Werkzeugen in einer Reihe
SchrittRegel
1 – Code statt KopfrechnenJede Zahl kommt aus ausgeführtem Code, nicht aus einer plausiblen Textantwort.
2 – Daten kennenlernenKeine Auswertung ohne Profil und Datenwörterbuch.
3 – BereinigenBereinigen ist Entscheiden mit Protokoll.
4 – Fragen stellenAnalysefrage = Kennzahl + Vergleich + Zeitraum.
5 – VisualisierenAussage vorgeben statt Diagrammtyp. Dashboard erst bei wiederkehrender Frage.
6 – Ergebnisse prüfenSummenprobe, Gegenrechnung, Bezugsgrößen, Annahmen.

Der Durchlauf in einem Absatz

So sah der komplette Weg mit den Seltrano-Daten aus: Das Profil zeigte 18 Zeilen mit einer Dublette, zwei Formatbrüchen, einem Ausreißer und einer Lücke. Das Datenwörterbuch klärte, dass Stornos nicht als Umsatz zählen und die Sonderserie Einzelgeschäft ist. Die Bereinigung mit Protokoll senkte den durchschnittlichen Auftragswert von scheinbaren 4.207 € auf belastbare 1.543 €. Die Analysefrage "Nettoumsatz je Kanal im März" ergab ein klares Balkendiagramm, und die Summenprobe bestätigte, dass die drei Kanäle zusammen den Gesamtumsatz ergeben. Keine einzelne Stelle davon war schwierig. Der Wert liegt in der Reihenfolge.

Wie es weitergeht

Diese Lesson hat die Daten pro Analyse bereinigt. Wenn dieselben Fehler aber in jedem Export wieder auftauchen, ist das ein Zeichen, das Problem an der Quelle zu lösen: in den Systemen, in denen die Daten entstehen. Genau darum geht es in Datenqualität für KI. Und wenn deine Auswertung regelmäßig wird, führt der Weg zum eigenen kleinen Dashboard über Das mentale Modell.

Rico Loschke

Rico Loschke

KI-Stratege & Übersetzer zwischen Tech und Business

15+ Jahre Digitalisierung, 4+ Jahre KI. Ich übersetze zwischen Technologie und Unternehmensstrategie, berate und trainiere Organisationen auf ihrem KI-Weg. Hier teile ich, was ich dabei lerne.

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